Harter Papst-Kurs
Gefahr für Mutter “kein Abtreibungsgrund”
Das Maputo-Protokoll zu Frauenrechten war 2003 von der Afrikanischen Union (AU) verabschiedet worden und ergänzt die AU-Charta. Im Artikel 14 werden die Regierungen aufgefordert, medizinische Abtreibungen zu erlauben "in Fällen von sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Schwangerschaft die seelische oder körperliche Gesundheit der Mutter oder das Leben der Mutter oder des Fötus bedroht". Der Vatikan hat seine Ablehnung der Abtreibung immer wieder bekräftigt, aber es ist das erste Mal seit seiner Wahl zum Papst im Jahr 2005, dass Benedikt XVI. sich so deutlich gegen Abtreibungen aus medizinischen Gründen aussprach.
Zuvor in Kamerun
Vor seinem Eintreffen in Angola weilte Papst Benedikt XVI. zu einem viertägigen Besuch in Kamerun. Der 81-Jährige Heilige Vater wurde auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Luanda von einer jubelnden Menschenmenge bei 30 Grad Hitze festlich empfangen. Der Papst will den Glauben in einer der ältesten Gemeinden im Süden Afrikas stärken, in der mehr als die Hälfte der Bevölkerung katholisch ist, hieß es zum Ziel der Reise. "Die gemeinsame Mission, die uns verbindet, ist der Aufbau einer freieren, friedlicheren und solidarischeren Gesellschaft", sagte Benedikt in seiner Begrüßungsrede und ermutigte die Menschen dazu, den Weg der Friedensbildung und des Wiederaufbaus nach langem Krieg fortzusetzen.
Mehr als 500.000 Tote im Bürgerkrieg
"Ich erinnere daran, dass ich aus einem Land komme, wo Frieden und Brüderlichkeit allen Menschen lieb und teuer sind. Vor allem jenen, die wie ich selbst den Krieg gekannt haben und die Trennung von Familienmitgliedern der gleichen Nation als ein Ergebnis unmenschlicher und zerstörerischer Ideologien", sagte Benedikt. Er wolle die Botschaft von Frieden und Versöhnung in das Land bringen, wo auch sieben Jahre nach dem Ende eines 27 Jahre währenden, verheerenden Bürgerkrieges die Infrastruktur noch immer brachliegt, in dem über 500.000 Kriegstote zu beklagen sind und wo heute noch viele Straßen wegen Landminen unbegehbar bleiben.
Angola eines der ärmsten Länder der Welt
Der Dialog sei der einzige Weg, um jeden Konflikt und jede Spannung zu überwinden, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Angolaner sollten daher Frieden und Verständigung untereinander aufbauen und damit eine friedliche Zukunft in Solidarität in Afrika fördern. "Gebt nicht dem Gesetz des Stärkeren nach", forderte der Papst auf. Auch müssten die Rechte der Armen anerkannt werden: "Die Vielzahl der Angolaner, die unter der Schwelle der absoluten Armut leben, darf nicht vergessen werden." Angola zählt zwar zu den wichtigsten Ölexporteuren des Schwarzen Kontinents, ist jedoch eines der ärmsten Länder der Welt. So müssen die meisten der rund 12,5 Millionen Einwohner mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen.
Höhepunkt des Papst-Aufenthalts in Angola soll eine Messe mit dem traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag werden. Es wird erwartet, dass Benedikt sich dabei auch zur Zukunft des von Krisen und Kriegen geschüttelten Kontinents in Zeiten der Weltwirtschaftskrise äußert. Am Montag wird er seinen Besuch abschließen und nach Rom zurückkehren. Der Besuch in Afrika ist die elfte Auslandsreise Benedikts. Im Mai will er Jordanien und Israel besuchen.
60 Prozent der Bevölkerung katholisch
Angola wird seit rund drei Jahrzehnten von Dos Santos regiert und ist trotz Ölvorräten und reicher Bodenschätze ein bettelarmes Land. Mehr als 60 Prozent der Angolaner, also etwa 8,5 Millionen Menschen, sind katholisch. Auch eine marxistische Revolution und ein bis 2002 anhaltender Bürgerkrieg, in dem viele Missionare getötet wurden, konnten den Zulauf zur Kirche nicht bremsen. 1491 wurde dort der erste Afrikaner von portugiesischen Missionaren getauft.
Benedikt hatte vor seiner Afrika-Reise angedeutet, dass er keine politische Konfrontation sucht. Die Kirche verfolge keine wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Ziele, sagte der Papst. "Die Kirche verkündet Christus. Sicher kann das Evangelium die Herzen aller berühren und sie verwandeln." Benedikt wird am Samstag und Sonntag in Angola Messen vor großem Publikum feiern und mit Bischöfen aus dem südlichen Afrika zusammentreffen.
Aufregung wegen Kondom-Sager
Im Fußballstadion der Hauptstadt Kameruns feierte Benedikt eine Messe vor 40.000 Menschen. Der Auftakt der Afrika-Reise am Dienstag war überschattet von der Diskussion über die kritische Haltung des Papstes zum Gebrauch von Kondomen. Der Besuch in Afrika ist die elfte Auslandsreise Benedikts. Im Mai will er Jordanien und Israel besuchen.
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