Schuh flog auf Bush
Schuhwerfer zu drei Jahren Haft verurteilt
Der Journalist erklärte sich in dem Prozess für nicht schuldig. Seine Handlung sei eine ganz "natürliche Reaktion auf die Besatzung" gewesen, sagte al-Zaidi. Gerichtssprecher Abdul-Sattar Bayrkdar erklärte, der Angeklagte habe die Mindeststrafe erhalten, könne aber Rechtsmittel einlegen. Bei dem Strafmaß von drei Jahren Haft habe der Richter berücksichtigt, dass al-Zaidi noch so jung und nicht vorbestraft sei. Der Anklagepunkt kann mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden. Die Anwälte des Journalisten bestätigten, der Richter habe wegen des Alters und guten Leumunds des Angeklagten Milde gezeigt. Dennoch betrachteten sie das Urteil als "unerwartet hart".
Die Verteidigung hatte versucht zu argumentieren, bei der Tat habe es sich um eine Beleidigung und nicht um einen Angriff gehandelt. Außerdem sei Bush gar nicht zu einem offiziellen Besuch in Bagdad gewesen. Sein Besuch sei weder angekündigt gewesen, noch sei er eingeladen worden. Das Gericht hatte sich deshalb beim ersten Prozesstermin Mitte Februar auch vertagt. Zur Begründung sagte Richter Abdul Amir al Rubaie, das Gericht müsse zunächst klären, ob Bushs Besuch formeller oder informeller Natur gewesen sei. Das Büro von Ministerpräsident Nuri al-Maliki bestätigte nun nach Gerichtsangaben, dass es ein offizieller Besuch war.
"Wollte Stolz der Iraker wiederherstellen"
Vor Gericht hatte al-Zaidi im Februar erklärt, er habe bei seiner Attacke nur eines im Sinn: Er wollte den Stolz des irakischen Volkes wiederherstellen. Er habe aber weder Bush verletzen noch Al-Maliki in eine peinliche Lage bringen wollen. "Was mich angetrieben hat, war die Demütigung des Iraks durch die US-Besatzung und die Ermordung unschuldiger Menschen", sagte al-Zaidi. "Ich wollte den Stolz der Iraker auf jede nur mögliche Weise wiederherstellen, abgesehen vom Einsatz von Waffen."
Verwandte von al-Zaidi reagierten auf das Urteil empört. "Das ist ein amerikanisches Tribunal," schrien einige vor dem Sitzungssaal versammelte Angehörige. Die Schwester des verurteilten Journalisten brach in Tränen aus, beschimpfte den Regierungschef als Agenten der USA und forderte dessen Sturz. Al-Zaidis Bruder Udai al-Zaidi sprach von einem politischen Prozess. "Muntazer wird wie ein Kriegsgefangener behandelt", kritisierte er. Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme gesagt, er sei von einem General geschlagen und mit Stromschlägen gefoltert worden.
Anwalt kündigt Berufung an
Al-Zaidis Chefanwalt Dhiaa al-Saadi kündigte Berufung gegen das Urteil an. Der Verteidiger nannte das Urteil unangemessen und rechtswidrig. Die Brüder des Journalisten versuchen nach eigenen Angaben, Bush, den irakischen Regierungschef und dessen Leibwächter wegen Folter vor ein Gericht in Belgien oder Spanien zu bringen. An der Sitzung nahmen etwa 200 Zuschauer teil, das Urteil wurde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet.
Zu Prozessbeginn vor drei Wochen hatte der Journalist gesagt, beim Anblick des "Verantwortlichen für die im Irak begangenen Verbrechen" habe er die Kontrolle verloren. Bei dem Bush-Besuch Mitte Dezember hatte al-Zaidi auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung des damaligen US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!" Bush duckte sich geschickt und wurde nicht getroffen.
Aktion löste Jubel aus
In der arabischen Welt war die Aktion bejubelt worden. Im nordirakischen Irak wurde ein Denkmal aufgestellt, das an den Schuhwurf erinnerte. Auf Druck der Provinzregiereung wurde es jedoch nach wenigen Tagen entfernt. In Großbritannien fand die Attacke Anfang Februar einen Nachahmer: Bei einem Besuch des chinesischen Regierungschefs Wen Jiabao an der Universität Cambridge warf ein deutscher Student einen Schuh nach ihm.
Bush hatte seinerzeit auf al-Zaidis Schuhwurf gelassen reagiert. "Wenn Sie die Fakten wissen wollen: Es war ein Schuh der Größe zehn (deutsche Größe 44)", witzelte er wenige Stunden nach der Tat. Seine Sprecherin betonte, es sei allein Sache der irakischen Behörden, die strafrechtlichen Folgen zu prüfen.
Journalistenföderation kritisiert Urteil
Die Internationale Journalistenföderation (IFJ) hat gegen die "unangemessene" Entscheidung des irakischen Gerichtes protestiert. "Dieser Urteilsspruch ist ungeheuer unverhältnismäßig", betonte IFJ-Generalsekretär Aidan White am Donnerstag in einer Aussendung. Der Journalist habe einen ernsten Fehler begangen, aber man hätte sich in angemessener Form und intern damit auseinandersetzen sollen und nicht vor Gericht, konstatierte White weiter. Die irakische Reaktion sei bedauerlich man dränge auf Nachsicht und eine Revision.
Die IFJ hatte die Freilassung des Journalisten gefordert und erklärt, dass dies eine hoffnungslose Protestaktion gegen das Unrecht, das den irakischen Staatsbürgern aber auch Journalisten seit der US-geführten Invasion und der darauffolgenden Besetzung durch die Koalitionsstreitkräfte widerfahren sei. Die IFJ hoffe, dass Zaidi so bald wie möglich freikomme. "Er war schon zu lange in Haft aufgrund eines Grundes der mehr lächerlich als ernsthaft gewalttätig ist", konstatierte White.
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