Mo, 20. August 2018

Pfandbon eingelöst

25.02.2009 10:52

Deutsche Kassierin wegen 1,30 Euro gefeuert

Wegen 1,30 Euro hat eine deutsche Supermarkt-Kassierin nach mehr als 30 Jahren ihren Job in einem Berliner Supermarkt verloren. Das Unternehmen hat der 50-Jährigen die Unterschlagung zweier Pfandbons über 48 und 82 Cent vorgeworfen. Barbara E. zog vor Gericht, um die Ungerechtigkeit rückgängig zu machen. Am Dienstag dann der große Schock: Sie verlor den Rechtsstreit um ihre fristlose Kündigung jetzt auch in zweiter Instanz!

Das Berliner Landesarbeitsgericht erklärte die Kündigung allen Ernstes für rechtens. Eine Kassierin habe unbedingt "absolute Korrektheit" zu zeigen, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Richter begründen das Urteil mit einem irreparablen Vertrauensverlust beim Arbeitgeber. Auf den geringen Wert der Bons komme es nicht an. Schon der dringende Verdacht einer Straftat, der sich auf objektive Tatsachen stütze, könne ein Kündigungsgrund sein.

Davon abgesehen sah es die Kammer aber auch als erwiesen an, dass die 50-Jährige die Pfandbons aus dem Kassenbüro für sich selbst eingelöst hatte. Die dreifache Mutter und zweifache Großmutter hatte eine Unterschlagung stets bestritten. Sie war aber vor Gericht von Kolleginnen belastet worden.

"Mein Einkauf war in Ordnung!"
Barbara E. dazu am Dienstagabend in der ZDF-Talkshow "Johannes B. Kerner": "Ich habe einen Einkauf getätigt und habe in diesem Zuge zwei Pfandbons eingelöst. Das ist korrekt. Das waren Mitarbeiterbons, die waren abgezeichnet. Und mir hat man jetzt untergeschoben, dass es zwei nicht abgezeichnete Bons sind. (...) Das sind nicht meine Bons gewesen, das bekräftige ich hier noch einmal. Meine Bons sind immer abgezeichnet gewesen. (...) Diesen Einkauf den ich getätigt habe und meine abgezeichneten Mitarbeiterbons, sind von der Kassiererin auf meinem Kundenbon quittiert worden. Da stand für mich fest, dass mein Einkauf in Ordnung war. Und wenn es nicht so gewesen wäre, hätte sie sofort den Marktlkeiter holen können und hätte sagen können, hier ist was nicht in Ordnung gewesen. Die zweite Kassiererin stand ja hinter mir, die hat den ganzen Kassiervorgang beobachtet."

Die Gekündigte brach während der Urteilsverkündung in Tränen aus. Mit einem solchen Richterspruch habe sie nicht gerechnet, sagte Barbara E., von Kollegen "Emmely" genannt, später auf dem Gang. Ein früheres Angebot ihres Unternehmens, die fristlose Kündigung in eine ordentliche Kündigung umzuwandeln, hatte die Kassierin abgelehnt. Sie wollte Gerechtigkeit und ihren Job, den sie seit über 30 Jahren ausübt, zurück. "Ich bin da heute eigentlich hingegangen, weil ich dachte, es wird heute Recht gesprochen. Aber ich bin da ganz schön erschüttert worden heute. Ich denke wenn wir weitermachen, und das werde ich, wird mir auch Recht wiederfahren." Ihr Anwalt Benedikt Hopmann will weiterkämpfen: "Die Revision wurde nicht zugelassen. Dagegen kann man allerdings Beschwerde einlegen, beim Bundesarbeits- oder Bundesverfassungsgericht. Das werden wir machen, auf jeden Fall."

Wegen Engagement in Gewerkschaft gekündigt?
Der Fall hatte in Deutschland schon beim ersten Prozess weit über Berlin hinaus Schlagzeilen gemacht. Freunde und Gewerkschafter hatten ein Solidaritätskomitee ("Solidarität mit Emmely") gegründet. Sie sprachen von einer Verdachtskündigung, mit der die Einzelhandelskette Tengelmann eine missliebige, gewerkschaftlich organisierte Angestellte habe loswerden wollen. E. war bei Streiks dabei und sich für bessere Arbeitsbedingungen stark gemacht.

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