Fr, 17. August 2018

Unfall auf der A22

07.02.2009 17:28

Heer räumt in Endbericht schwere Fehler ein

Eine mangelhafte Benützungsordnung für den Truppenplatz, der nicht eingehaltene Sicherheitsabstand von 300 Metern zur Autobahn und das Versagen der Verantwortlichen: Das Bundesheer hat in der Causa um die tödliche Karambolage auf der A22 in seinem Endbericht sämtliche Vorwürfe eingestanden. Er könne einen kausalen Zusammenhang zwischen den Zündungen der Nebelhandgranaten und dem Unfall auf der A22 "nicht in Abrede stellen", sagte Generalmajor Kritsch am Freitag bei der Präsentation des Berichts. Klagen der Opfer bzw. ihrer Angehörigen steht somit nichts mehr im Wege.

Bei den Zündungen von insgesamt fünf Nebelhandgranaten auf dem Garnisonsübungsplatz unweit der A22 seien vorgeschriebene Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten worden, so Kritsch, Leiter der Gruppe Kontrolle im Verteidigungsministerium.

Den "kausalen Zusammenhang" festzustellen habe aber die zuständige Staatsanwaltschaft Korneuburg, so Kritsch. Dort werden laut Kritsch jetzt auch Ermittlungen gegen zwei Bundesheer-Angehörige wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung geführt. Ob es Einschüchterungen gegen Rekruten gegeben habe, sei noch nicht klar, so Christian Mayer, Leiter der Abteilung Disziplinar- und Beschwerdewesen im Verteidigungsministerium. Diesem Vorwurf gehe die parlamentarische Bundesheerbeschwerdekommission nach, ebenso jenem der unterlassenen Hilfeleistung.

Auch Anrainer des Übungsplatzes in Sorge
Indes melden sich immer mehr besorgte Anrainer aus Korneuburg zu Wort, die in der 300 Meter weiten Gefahrenzone rund um den Detonationsort leben, also zum Beispiel direkt hinter der Schallschutzwand der A22. "Denn es war ja nicht das erste Manöver hier. Immer wieder wurden Leuchtraketen abgefeuert, und es gab in der Nacht oft eine Explosion", so eine Nachbarin.

Hintergrund der Gesundheits-Sorge: "Nebelgranaten enthalten die ätzende Chemikalie Zinkchlorid, die in Extremfällen sogar tödliche Lungenentzündungen und Defekte des zentralen Nervensystems auslösen kann", zitiert "Die Presse" den renommierten Toxikologen Max Daunderer.

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