Schmutzige Deals

UN-Experte: Banken retteten sich mit Drogengeld

Ausland
26.01.2009 16:08
Der Generaldirektor des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, Antonio Maria Costa, verfügt nach eigenen Angaben über Hinweise, dass sich internationale Bankinstitute im Zuge der Wirtschaftskrise durch Geld aus dem Suchtgifthandel gerettet haben könnten. "Vielfach ist Drogengeld derzeit das einzige verfügbare liquide Investmentkapital", konstatiert Costa vom UNODC.

"In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 war Liquidität das größte Problem des Bankensystems, und damit wurde flüssiges Kapital zu einem wichtigen Faktor", so Costa in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil". Das UNODC habe Anzeichen gefunden, dass "Interbank-Kredite durch Geldmittel finanziert worden, die aus dem Drogenhandel und anderen illegalen Aktivitäten kommen". 

Es gebe "Hinweise, dass manche Banken auf diese Art und Weise gerettet wurden". Einzelheiten wollte der UNODC-Chef nicht nennen: "Aber Österreich steht sicher nicht ganz oben auf meiner Liste, wenn ich an die betroffenen Länder denke." 

Stichwort: Finanzkrise und Interbankenmarkt
Banken benötigen zur Abwicklung ihrer täglichen Geschäfte einen erheblichen Betrag an kurzfristigen Geldern. Diese Mittel besorgen sich die Institute in erster Linie am sogenannten Geld- oder Interbankenmarkt. Hier leihen sich die Banken für kurze Zeit, teilweise nur einen Tag lang, und meistens ohne Stellung von Sicherheiten liquide Mittel aus. 

In "normalen" Zeiten funktioniert dies weitgehend reibungslos. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2008 trauen sich die Banken aber kaum noch über den Weg. Hintergrund ist die Ungewissheit, welche Bank in welchem Umfang "faule Kredite" und "Ramsch-Hypotheken" aus dem krisengeschüttelten (US-)Immobilienmarkt in ihren Bilanzen hat.

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