Empörung
Papst rehabilitiert britischen Holocaust-Leugner
Vatikan-Pressechef Federico Lombardi wies die Kritik zurück und betonte, dass es bei der Rücknahme der Exkommunikation ausschließlich darum ginge, die Anhänger der Bruderschaft Pius X. wieder zu integrieren.
Der Papst hatte seine Entscheidung am vergangenen Mittwoch unterschrieben, die Ermittlungen gegen den Briten wegen der Äußerungen zum Holocaust wurden am Freitag bekannt. Zuvor hatte "Der Spiegel" berichtet, dass Bischof Williamson bei einem Besuch im Priesterseminar der Bruderschaft Pius X. in Zaitzkofen bei Regensburg die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern abgestritten habe. Dort habe es keine Gaskammern gegeben, soll er gesagt haben.
Im vergangenen Jahr hatte der Vatikan der Priesterbruderschaft eine Reihe von Forderungen als Bedingung für eine Wiederannäherung an die katholische Kirche gestellt. Die vier Bischöfe der ultratraditionalistischen Gemeinschaft hatten dem Papst Ende 2008 versichert, "alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die katholische Kirche ist".
Die Spaltung 1988 ging auf die Ablehnung von Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils der 1960er Jahre durch Lefebvre zurück. In dem Streit ging es um Liturgiereform und Religionsfreiheit. Die Traditionalisten um (den 1991 gestorbenen) Lefebvre kritisierten die vom Konzil angestrebte Versöhnung mit den Anhängern des Judaismus und den Aufruf zur Zusammenarbeit mit anderen christlichen Konfessionen.
Jüdische Organisationen sind empört
Auf Kritik stieß Benedikts Entscheidung bei jüdischen Organisationen. Williamson sei eine "klar antisemitische Person" und die Rücknahme der Exkommunikation "ein Schritt, der die gesamte Kirche verseucht", erklärte der hochrangig am jüdisch-katholischen Dialog beteiligte Rabbiner David Rosen. Unverständnis äußerte am Abend auch der Präsident der italienischen Rabbiner, Giuseppe Laras. Dieser nicht notwendige Schritt des Vatikans sei in einer heiklen Phase des jüdisch-christlichen Dialogs getan worden. "Nötig wären entspannende Taten und nicht diese Vorfälle und Erklärungen", sagte der Rabbiner. "Wir können nicht in den Kopf des Papstes sehen, wollen das auch nicht, aber das ist sicher kein Handeln, das Entspannung bringt".
Vatikan-Pressechef Lombardi nannte das Dekret eine "Geste des Friedens", bei der es allein darum gehe, die Anhänger Lefebvres wieder zu integrieren. Der Vatikan teile in keiner Weise die Äußerungen zum Holocaust, über die auf eine andere Weise gerichtet werde. "Die Exkommunikation hat damit gar nichts zu tun."
Im Jahr 1988 war eine Einigung zwischen der Priesterbruderschaft Pius X. und dem damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger geplatzt. Der "Dissident" Lefebvre weihte trotz der Warnungen des Vatikans vier Priester zu Bischöfen. Daraufhin wurden Lefebvre und die Geweihten exkommuniziert. In den vergangenen Jahren hatte Fellay den zuständigen Kardinal Dario Castrillon Hoyos mehrfach gebeten, die Exkommunikation zurückzunehmen. Bei einer Einigung könnte die Bruderschaft den Status einer Personalprälatur ähnlich dem Opus Dei erhalten, hieß es damals.
"Wir sind Kirche" kritisiert Papst-Entscheidung
Die katholische Basisbewegung "Wir sind Kirche" hat die Aufhebung der Exkommunikation kritisiert. "Die Aufhebung der Exkommunikation zeigt die rückwärtsgewandte Ausrichtung des Pontifikats von Benedikt XVI.", teilte die Organisation am Samstagabend in einer Aussendung mit.
Sie wies darauf hin, dass die Entscheidung zum 50. Jahrestag der Konzils-Ankündigung von Johannes XXIII. getroffen worden sei. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil öffnete die katholische Kirche ihre Tür gegenüber anderen Religionen und leitete einen Modernisierungsprozess ein. Traditionalistische Kreise, wie jene um Lefebvre, sehen in den Konzilsbeschlüssen dagegen eine Verwässerung der katholischen Lehre.
Die Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Anhänger "mag als ein erfreuliches Zeichen für die Versöhnungsbereitschaft des Papstes gesehen werden", schreibt "Wir sind Kirche". "Es bleibt aber ein schaler Geschmack", zumal der Papst nur einen seiner beiden Arme ausgestreckt habe. "Wäre es nicht gerade jetzt an der Zeit, mit der zweiten Hand auch all jene heimzuholen, die mit Lehrverboten und Exkommunikation bestraft wurden, weil sie die gute Nachricht Jesu auch politisch-strukturell für die Armen dieser Welt einsetzen oder Frauen zu Priesterinnen weihen oder für Kondome zum Schutz vor Aids eintreten?", fragt die Organisation, die in den 1990er Jahren Unterschriften von Hunderttausenden österreichischen Katholiken für die Priesterschaft von Frauen und die Aufhebung des Zölibats gesammelt hat.
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