Strenge Strafen

Chinesisches Gericht verhängt drei Todesstrafen

Ausland
22.01.2009 16:27
Rund vier Monate nach Bekanntwerden des chinesischen Babymilch-Skandals hat ein Gericht am Donnerstag drei Mal die Todesstrafe verhängt. Außerdem wurden die ehemalige Chefin der Molkerei Sanlu, Tian Wenhu (im Bild), sowie weitere Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt. Das mit Melamin verseuchte Milchpulver wird für den Tod von mindestens sechs Babys verantwortlich gemacht, etwa 300.000 weitere Kinder erkrankten. Insgesamt 21 Angeklagte standen deshalb in der nordchinesischen Stadt Shijiazhuang vor Gericht.

Eine der verhängten Todesstrafen wurde auf zwei Jahre ausgesetzt und kann dann in lebenslange Haft umgewandelt werden. Den zum Tode verurteilten Angeklagten wurde angelastet, aus Profitgier mit der Industriechemikalie Melamin sogenanntes "Proteinpuder" produziert und verkauft zu haben. Damit wurde das Milchpulver versetzt, um einen höheren Eiweißgehalt vorzutäuschen.

Proteste vor Gerichtsgebäude
Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich zahlreiche Angehörige von erkrankten oder verstorbenen Babys. Die Polizei bewachte das Justizgebäude und riegelte die nähere Umgebung ab. Sanlu sowie weitere 21 Molkereien haben eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Yuan (124 Millionen Euro) angeboten. Mehr als 200 Familien haben Klage eingereicht, um eine höhere finanzielle Entschädigung zu erreichen. Außerdem fordern sie, dass ihre Kinder langfristig kostenlos behandelt werden.

"Es ist nicht genug"
Die Todesurteile und hohen Strafen konnten die empörten Eltern nicht besänftigen. "Nein, es ist nicht genug", sagt Hou Longbo, Vater eines einjährigen Buben, der ausgerechnet am Tag der Urteilsverkündung eingeäschert wurde. Vor allem die lebenslange Haft für Tian Wenhu "reicht nicht", sagt Hou Longbo verärgert. "Sie hätte mit dem Leben bezahlen müssen." Dass die Anklage gegen die Spitzenmanagerin von der Produktion "giftiger" auf "qualitativ unzureichende" Nahrungsmittel abgeschwächt wurde und sie damit der Todesstrafe entging, ist für einige Eltern der erkrankten Kinder "eine Ungerechtigkeit".

Versuchte Milch auch in Österreich
Auch in Österreich wurde eine positive Melamin-Probe gezogen. Knapp zwei Wochen nach Start der Lebensmittelkontrollen von chinesischen Produkten in Österreich wurde Anfang Oktober in einem steirischen Chinalokal ein Milchshake gefunden, bei dem der Grenzwert überschritten war. Das Produkt, das am Wiener Naschmarkt gekauft worden war, wurde vom Markt genommen.

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