Madoff-Skandal
Streit um U-Haft nach Kautionsauflagen-Verstoß
Madoffs mutmaßlicher Verstoß gegen Kautionsauflagen sorgte in der Öffentlichkeit für eine neue Welle der Empörung. Zuvor hatten beispielsweise Politiker für den einst hoch angesehenen Geschäftsmann Untersuchungshaft gefordert. Bisher steht er gegen eine Millionen-Kaution in seinem New Yorker Luxus-Appartement unter Hausarrest. Vor einem Gericht in Manhattan musste sich Madoff am Montag wegen der Vorwürfe rechtfertigen. Sein Anwalt sagte laut Medienberichten, der Beschuldigte habe nicht gegen die Auflagen verstoßen wollen und bemühe sich derzeit, die Wertsachen zurückzuholen.
Deutsche Anleger stärker verwickelt als angenommen
Deutsche Anleger könnten unterdessen in das 50 Milliarden Dollar schwere "Schneeball-System" laut eines Zeitungsberichts weit stärker verwickelt sein als bisher bekannt. Es gehe mindestens um einen dreistelligen Millionenbetrag, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Dienstag. Dies habe eine Münchner Fonds-Vertriebsgesellschaft bestätigt, über die ein wesentlicher Teil der Madoff-Investments aus Deutschland gelaufen sei.
US-Börsenaufsicht massiv in der Kritik
Knapp vier Wochen nach Madoffs erstem Geständnis hat in Washington auch die politische Aufarbeitung des Skandals begonnen. Die US-Börsenaufsicht SEC steht massiv in der Kritik, weil sie Madoff trotz zahlreicher Hinweise und Prüfungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf die Schliche kam.
"Unser Kontrollsystem hat offenkundig jämmerlich versagt, und wir müssen es jetzt umbauen", sagte der Abgeordnete Paul Kanjorski von den Demokraten am Dienstag bei einer Anhörung zum Madoff-Skandal in dem für Finanzdienstleistungen zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses. Sein republikanischer Kollege Spencer Bachus forderte ebenfalls eine Umstrukturierung der Börsenaufsicht.
Der Generalinspektor der SEC, David Kotz, räumte bei der Anhörung Versäumnisse ein und kündigte die Ausweitung einer bereits von SEC-Chef Christopher Cox angeordneten internen Untersuchung an. Cox hatte bereits im vorigen Monat Fehler eingestanden und zugleich seine Mitarbeiter in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Diese hätten es im vergangenen Jahrzehnt viele Male versäumt, trotz glaubhafter Anschuldigungen Hinweisen über ein Fehlverhalten Madoffs gründlich nachzugehen, sagte Cox im Dezember.
Bereits 1999 wurde die Behörde von einem Börsenaufseher in Boston gewarnt, bei Madoffs Gewinnen könne etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Auch spätere Warnungen führten jedoch nicht zur Einleitung einer formellen Untersuchung, bei der Madoff unter Eid hätte aussagen müssen, wie Cox einräumte. Vielmehr habe sich die Aufsichtsbehörde bei Nachfragen auf von Madoff freiwillig vorgelegte Zahlen verlassen.
Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar befürchtet
Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. Wegen Verdachts auf massiven Betrug war Madoff, der maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt war, im Dezember festgenommen worden. Er soll Kunden, die ihr Geld bei seinem Unternehmen anlegten, hohe Renditen versprochen haben. Diese zahlte er zwar aus, doch in einem Schneeballsystem wurden die Renditen mit Geldern neuer Anleger finanziert, bis das System zusammenbrach. US-Ermittler befürchten einen Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar (36,8 Milliarden Euro).
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