Wahnsinnstat

Polizistin schießt auf Ex und begeht Selbstmord

Ausland
05.01.2009 09:41
Nach stundenlangen, nervenaufreibenden Gesprächen über ihre Beziehungsprobleme ist eine Polizistin in Mittelfranken (Bayern) offenbar ausgerastet und hat ihrem Ex-Partner in den Kopf geschossen. Nach der Tat in der gemeinsamen Dienststelle in Lauf an der Pegnitz feuerte die Frau auf sich selbst. Die 25-Jährige starb am Samstagnachmittag im Krankenhaus, der fünf Jahre ältere Polizeibeamte schwebte am Sonntag weiter in Lebensgefahr.

Besonders prekär an dem Fall: Mehr als sieben Stunden lang hatten die beiden in einem Zimmer der Polizeiinspektion miteinander geredet - in der Nähe Kollegen, Psychologen und ein bewaffnetes Spezialeinsatzkommando (SEK). Dieses war schließlich alarmiert worden, nachdem Kollegen bemerkt hatten, dass die Frau ihre Waffe bei sich hatte. Sie habe einen stabilen Eindruck gemacht, daher habe das SEK nicht einschreiten wollen. "Die Lage vor Ort war so, dass keine aktuelle Bedrohung vorlag", sagte Polizeipräsident Gerhard Hauptmannl am Samstagabend bei einer Pressekonferenz. 

Überraschende Eskalation
Vielmehr habe die Polizistin immer wieder beteuert, dass sie niemanden verletzten wolle. Die Einsatzkräfte glaubten den Versprechungen der 25-Jährigen, die bei Kollegen als sehr engagiert galt und den höheren Dienst anstrebte. Die Schüsse in dem Dienstzimmer, in dem die beiden Beamten sieben Stunden lang intensiv geredet hatten, kamen demnach völlig überraschend. "Leg den Kracher weg, dann beginnt das Leben neu", sollen Polizisten nach Worten von Einsatzleiter Ingo Wittassek immer wieder zu der Frau gesagt haben. 

"'Jawoll' hat sie geantwortet. 'Ich will ja keinem wehtun'", so Wittassek weiter. "Und dann fällt der Schuss. In 38 Jahren habe ich so etwas noch nicht erlebt." Sekunden später stürmten die Einsatzkräfte das Zimmer. Die 25-Jährige starb wenig später. "Sein Zustand ist nach wie vor kritisch", sagte Polizeisprecher Peter Schnellinger am Sonntag über das Opfer, das in ein künstliches Koma versetzt worden sei. "Die Ärzte sehen eine Chance, dass der Kollege überleben wird", berichtete Polizeipräsident Hauptmannl.

Trennung vom Vortag nicht verkraftet
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich der 30-Jährige am Freitag aus unbekannten Gründen von seiner Lebensgefährtin getrennt. "Die 25-Jährige hing so stark an ihrem Lebenspartner, dass sie versuchte, die Beziehung zu retten", erklärte Hauptmannl. Gegen 22.00 Uhr sei die Beamtin dann bei ihrer Dienststelle aufgetaucht und habe erzählt, sie hätte etwas vergessen. Im Gebäude wartend schrieb die Frau den Angaben zufolge danach etliche SMS mit ihrem Ex-Freund und bat ihn zum Revier. 

Bei dem Gespräch sollte der befreundete Dienstgruppenleiter vermitteln. Stundenlang redete das Paar allerdings dann allein. Niemand habe mit den Schüssen gerechnet, zumal es für Polizisten nicht verboten ist, die Dienstwaffe auch in der Freizeit zu tragen. "Polizisten sind grundsätzlich immer im Dienst. Das Waffengesetz sieht hier eine Ausnahme für Polizeibeamte vor", erläuterte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums.

Interne Untersuchung sollen Fehler aufdecken
Ob die an dem Einsatz beteiligten Polizisten Fehler gemacht haben, müssen nun interne Untersuchungen klären. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittle allerdings nicht gegen die Beamten, sagte Oberstaatsanwalt Reinhold Wenny. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass etwas Verkehrtes oder Strafbares gemacht worden ist."

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