07.12.2008 18:53 |

Sarko setzt Zeichen

Sarkozy traf Dalai Lama trotz Kritik aus China

Trotz heftiger Kritik aus China hat sich der französische Staatschef und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy in Polen erstmals mit dem Dalai Lama getroffen. Sarkozy sprach in Danzig am Rande der Feiern zum 25. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Gründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter.

Vor Beginn des Treffens sagte Sarkozy vor Journalisten, die Begegnung solle nicht dramatisiert werden. "Als Präsident der französischen Republik bin ich frei in meiner Terminplanung", führte er aus. Als EU-Ratspräsident vertrete er Werte und Überzeugungen. "Es war meine Pflicht, dies zu tun, ich tue es sehr gern", fügte der Präsident hinzu. Zugleich wies Sarkozy auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit hin. Die Welt brauche "ein offenes China", das sich in die internationale Politik einbringe, und China brauche "ein mächtiges Europa". Er habe Tibet immer für einen Teil Chinas gehalten; der Dalai Lama rufe nicht zur Unabhängigkeit Tibets auf.

China protestiert heftig
Mit heftigem Protest hat China hat auf das Aufeinandertreffen von Sarkozy und dem Dalai Lama reagiert. Der Schritt sei "wirklich unklug", verletze die Gefühle des chinesischen Volkes und untergrabe die chinesisch-französischen Beziehungen, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Frankreichs Haltung zu Tibet sei "opportunistisch, unbedacht und kurzsichtig".

Sarkozys Vorgehen belaste Verhältnis zur EU
Da Frankreich gegenwärtig die EU-Ratspräsidentschaft innehabe, behindere das Vorgehen Sarkozys auch den Dialog und Austausch zwischen China und der Europäischen Union, obwohl beide bei den globalen Herausforderungen wie der Finanzkrise, der Nahrungs- und Energiesicherheit sowie dem Klimawandel enger zusammenarbeiten sollten. Die Verantwortung dafür liege bei Frankreich, hieß es in dem Kommentar, der dem Dalai Lama separatistische Aktivitäten vorwarf.

Boykottaufrufe im Internet
Chinas Staatsagentur berichtete über Empörung und Boykottaufrufe in Onlineforen. "Wir sollten anfangen, französische Waren zu boykottieren und niemals nach Frankreich zu reisen", wurde die Ansicht eines anonymen Internetnutzers zitiert, die "ein großes Echo fand". Ein anderer wurde mit den Worten wiedergegeben: "Die Tibet-Frage berührt Chinas Kern-Interessen. Jeder, der diese Grenze überschreitet, muss dafür bezahlen." Erinnert wurde an den Boykott Frankreichs nach Protesten am Rande des olympischen Fackellaufes in Paris gegen die Niederschlagung des Aufstandes der Tibeter im März.

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