06.12.2008 11:55 |

"Karl" ist weg

"Mann ohne Gedächtnis" wieder verschwunden

Als "Mann ohne Gedächtnis" hat ein 61-Jähriger aus Schottland in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt - nun ist der Schotte erneut verschwunden. "Wir wissen nicht, wo er ist", hieß es von der Polizei im deutschen Heidelberg. Der psychisch kranke Mann, der sich selbst "Karl" nennt, lebte zuletzt in einem Heim nahe der Stadt und sollte eigentlich in seine Heimat nach Edinburgh abgeschoben werden. Doch jetzt ist er wie vom Erdboden verschluckt.

"Er hat vermutlich von seiner Abschiebung mitbekommen", sagte Kurzer. Der 61-jährige "Karl" war am Montagmittag zum Einkaufen unterwegs gewesen und kehrte abends nicht zurück. Er habe seinen Koffer und seine Malsachen mitgenommen.

Das Landratsamt wollte den Mann eigentlich in Begleitung eines Arztes zurück nach Schottland bringen lassen, weil die aus Großbritannien gezahlten Gelder für die Unterbringung in dem Heim in Heiligkreuzsteinach nicht ausreichten. Dort hatte "Karl" die letzten 13 Monate gelebt. Im Monat habe das Defizit bei der Heimunterbringung etwa 1.200 Euro betragen, sagte der Sprecher des Landratsamtes. Nach dem Gesetz dürfe sich ein EU-Bürger nicht in Deutschland aufhalten, wenn der Staat für seinen Unterhalt sorgen müsse. Großbritannien habe lediglich die Krankenversicherung und eine kleine Rente gezahlt.

2006 in Mannheim aufgetaucht
"Karl" war im Juni 2006 das erste Mal im Hauptbahnhof in Mannheim aufgetaucht. Er hatte keine Erinnerung, wusste seinen Namen nicht und auch nicht, woher er stammte. Die Polizei stand vor einem großen Rätsel. Von einem Experten wurde der nur Englisch sprechende "Mann ohne Gedächtnis" vom Dialekt her Mittelengland zugeordnet. Es dauerte aber bis August 2007, bis die Identität des Schotten geklärt werden konnte. Durch die Berichterstattung in England erinnerte sich ein Arzt in Edinburgh an seinen früheren Patienten. Dort sei der Mann auch früher schon in einem Heim untergebracht gewesen, sagte Kurzer.

Bevor der "Mann ohne Gedächtnis" in Deutschland auftauchte, machte er im Frühjahr 2006 in den Niederlanden Station, wie die Ermittlungen der Polizei damals ergaben. Vermutlich sei er mit dem Zug nach Deutschland gekommen, als die englischen Fans zur Fußball-Weltmeisterschaft anreisten. Anfangs hatte der Mann angegeben, dass er früher einmal Pilot gewesen sei. Die Polizei sagte, er mache einen "infantilen Eindruck". Da "Karl" unter einer psychischen Erkrankung leide, wurde ihm ein Betreuer zur Seite gestellt worden, der sich um ihn kümmerte.

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