Spital gesucht

Koma-Patientin könnte in Österreich sterben

Ausland
17.11.2008 12:00
Die italienische Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, für die das Kassationsgericht - die letzte Instanz im italienischen Justizsystem - die Einstellung der künstlichen Ernährung genehmigt hat, könnte eventuell in Österreich sterben. Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" könnte der Vater der 37-jährigen Koma-Patientin, Beppe Englaro, eine österreichische Klinik auswählen, um Eluana weit weg vom Medienrummel sterben zu lassen. Um welche Einrichtung es sich handeln könnte, war vorerst nicht bekannt.

Die Suche nach einem Krankenhaus, in dem die künstliche Ernährung für Eluana ausgesetzt werden und die Frau sterben könne, gestaltet sich für die Familie schwierig. Die Frau befindet sich seit Jahren in einer Klinik in der lombardischen Stadt Lecco, in der Nähe von Mailand. Da die lombardische Regionalregierung beschlossen hat, dass das medizinische Personal in der Lombardei die Versorgung mit Flüssigkeit und Nahrung nicht aussetzen dürfe, wollte Beppe Englaro nach einer Klinik in seiner Heimatstadt Udine suchen.

In Friaul hat jedoch in katholischen Kreisen ein Protest gegen die Einlieferung Eluanas in ein lokales Krankenhaus begonnen, in dem sie sterben könne. Das für Gesundheitsfragen zuständige Mitglied des friaulischen Regionalrats, Vladimiro Kosic, meinte, er wolle sich dafür einsetzen, damit Eluana in keinem Krankenhaus der Region sterbe. "Ein Krankenhaus ist bei uns ein Ort des Lebens und nicht des Todes", meinte Kosic. Laut Ärzten könnte Eluana bis zu drei Wochen nach der Aussetzung der künstlichen Ernährung weiterleben.

Vater darf Ernährung der Tochter nun aussetzen
Der Beschluss, dass Eluana Englaro, die vor 17 Jahren nach einem Autounfall ins Koma gefallen und nicht mehr erwacht ist, sterben dürfe, wurde vom Kassationsgericht, der letzten Instanz im italienischen Justizsystem, am Donnerstag in Rom gefasst. Die Kassationsrichter lehnten einen Einspruch der Mailänder Staatsanwaltschaft gegen ein im Juli gefälltes Urteil des Berufungsgerichts ab, das die Aussetzung der Grundversorgung für die 35-jährige Frau erlaubt. Damit wurde Eluanas Vater Beppe Englaro endgültig das Recht auf Aussetzung der Ernährung seiner Tochter zugesprochen.

Damit geht für Beppe Englaro ein fast zehnjähriger juristischer Kampf für das Sterberecht seiner Tochter zu Ende, der in Italien heftige Debatten ausgelöst hatte.

Vatikan kritisiert "monströses" Urteil
Das Urteil der Richter sorgte für helle Empörung im Vatikan und in katholischen Kreisen. "Dieses Urteil ist monströs, man verurteilt eine Unschuldige zum Tod. Für Italien ist dieser Beschluss eine zivile und moralische Niederlage", kommentierte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella.

Erinnerung an ähnlichen Fall in den USA
Italienische Medien verglichen Eluanas Schicksal mit jenem der US-Amerikanerin Terri Schindler Schiavo. Sie war nach einem Herzanfall 1990 ins Wachkoma gefallen und wurde künstlich ernährt. Ihr Mann Michael Schiavo, der inzwischen bereits mit einer anderen Frau liiert war, erreichte 2005 vor Gericht, dass Terri die Magensonde entfernt wurde. Die Eltern der Patientin kämpften zwar um das Leben ihrer Tochter, konnten sich jedoch letztlich nicht durchsetzen. Terri Schiavo starb am 31. März 2005, zwei Wochen nach Einstellung der Ernährung.

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