EU-Russland-Gipfel

OSZE-Sicherheitsgipfel zu Raketenstreit geplant

Ausland
14.11.2008 16:38
Die Europäische Union und Russland wollen Mitte 2009 einen Sondergipfel der in Wien ansässigen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) einberufen, um über die künftige europäische Sicherheitsarchitektur zu beraten. Der französische Staatspräsident und EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy sagte nach Gipfel-Beratungen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Freitag in Nizza, die EU sei "sehr besorgt" über russische Pläne, als Antwort auf das geplante US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa Raketen in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad zu stationieren.

"Ich habe dem Präsidenten gesagt, wie besorgt wir über diese Erklärung sind, und dass es keine Stationierung in keiner Exklave geben soll, bis wir neue geopolitische Bedingungen für die paneuropäische Sicherheit diskutiert haben", sagte Sarkozy. Medwedew seinerseits warnte vor jeglichen "einseitigen Maßnahmen". 

Raketenstreit dominiert Gespräche
Auch er sprach sich für einen OSZE-Gipfel Mitte 2009 aus. Es gebe keinen Grund, darauf länger zu warten, sagte er. Medwedew schlug einen "globalen Vertrag" für eine "neue pan-europäische Sicherheit" vor. In der OSZE sind sowohl Europäer als auch Russland und die Vereinigten Staaten vertreten. Zuvor hatte der russische Präsident den USA einen beiderseitigen Verzicht auf die Rüstungsmaßnahmen angeboten.

Verhandlungen über neues Abkommen
Beide Seiten vereinbarten bei dem Gipfel in Nizza die bereits zuvor von den Europäern beschlossene Fortsetzung der Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Russland. "Wir haben gerade beschlossen, weiterzumachen, aber ich kann ihnen kein Datum für eine Unterzeichnung nennen", sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. "Je früher wir ein Dokument haben, desto besser", sagte Medwedew. In Diplomatenkreisen hieß es zuvor, die nächste Runde auf Ebene der Chefverhandler soll Anfang Dezember stattfinden.

Unstimmigkeiten im Georgien-Konflikt
Im Georgien-Konflikt bleiben Differenzen zwischen der EU und Russland. Während Sarkozy sagte, Russland habe "die meisten Versprechungen gehalten", betonte Medwedew, dass Russland "alle Punkte des Medwedew-Sarkozy-(Friedens)-Plans erfüllt" habe. Sarkozy erklärte daraufhin, Russland habe den mit der EU vereinbarten Truppenabzug aus Georgien "zum Großteil umgesetzt". Er verwies jedoch auf die russische Truppenpräsenz in dem an Südossetien angrenzenden Alkhagori-Tal. 

Medwedew habe ihm aber versichert, sich um Lösungen zu bemühen, sagte Sarkozy. Es sollte diesbezüglich "keine Irritationen" mehr geben. Medwedew unterstrich neuerlich, die Anerkennung der separatistischen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien durch Moskau sei "endgültig und unumkehrbar". Unter Berücksichtigung dessen achte Russland die territoriale Integrität Georgiens.

Sarkozy: "Müssen ein ehrlicher Makler sein"
Gleichzeitig verteidigte der französische Präsident die Fortsetzung der Gespräche über ein neues Abkommen mit Moskau: "Ich habe immer gesagt, dass wir in einen Dialog treten müssen. Wir machen das nicht, weil wir naiv sind, sonder weil wir entschlossen sind", sagte er. "Wenn wir ein Faktor für Frieden sein wollen, müssen wir ein ehrlicher Makler sein."

Medwedew signalisierte Unterstützung für die Position der EU vor dem Weltfinanzgipfel der G-20 am Samstag in Washington. Auch er sprach sich für einen zweiten internationalen Gipfel zur Finanzkrise aus. Die EU hatte ein Nachfolgetreffen 100 Tage nach dem Washingtoner Gipfel - also Ende Februar - verlangt. Sarkozy, Barroso und Medwedew wollen unmittelbar nach dem Gipfel in Nizza zu dem G-20-Treffen in die US-Hauptstadt aufbrechen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
14.11.2008 16:38
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung