Sa, 18. August 2018

Nicht siegessicher

17.10.2008 16:15

Obama: "Wir könnten es noch vermasseln!"

Barack Obama hat seine Anhänger vor übergroßem Optimismus bei der US-Präsidentschaftswahl am 4. November gewarnt. Zum Abschluss eines Konzerts von Bruce Springsteen und Billy Joel in New York trat der Kandidat der Demokraten am Donnerstagabend auf die Bühne und sagte, die Umfragen dürften nicht dazu verleiten, das Rennen schon für entschieden zu halten. "Unterschätzt nicht die Fähigkeit der Demokraten, sich die Niederlage aus den Klauen des Sieges zu schnappen", sagte Obama. "Unterschätzt nicht unsere Fähigkeit, es zu vermasseln."

Der 59-jährige Springsteen und der gleichaltrige Joel hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, bei dem sie sich abwechselten und gemeinsam spielten. Vor dem Song "Born to Run" sagte Springsteen: "Das ist für den Senator." Joel widmete seine Interpretation von "Hail to the Chief" dem Hoffnungsträger der Demokratischen Partei. Springsteens Song "The Rising" ist ohnehin schon zur inoffiziellen Hymne des Obama-Wahlkampfs geworden und wird oft bei dessen Kundgebungen gespielt.

"Washington Post" steht hinter Obama
Unterdessen hat sich die renommierte "Washington Post" offiziell hinter Obama gestellt. "Er hat das Potenzial, ein großartiger Präsident zu werden", heißt es in einem Editorial der Zeitung. Die Entscheidung für Obama sei leicht gefallen, weil der Republikaner John McCain durch seinen Wahlkampf und durch die Auswahl seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin enttäuscht habe. Senator Obama sei intelligent, könne schwierige Sachverhalte rasch erfassen und sei mit der Fähigkeit zur Konsensbildung ausgestattet. In den USA würde er sich der Wirtschaftskrise zuwenden, und "mit gesundem Respekt vor den Märkten" aber auch mit seiner Abneigung gegen wachsende Ungleichheiten in der Gesellschaft und dem Bewusstsein der Notwendigkeit von Regulierung handeln.

Republikaner-Hochburgen bröckeln
Obama führt nach jüngsten Umfrageergebnissen in allen Staaten, die 2004 der damalige demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry gewinnen konnte. Er legt aber auch in den US-Staaten zu, die bisher als sichere Hochburgen der Republikaner galten. So hat er einen komfortablen Vorsprung in Iowa und New Mexico, wo vor vier Jahren Amtsinhaber George W. Bush die meisten Stimmen gewann. Selbst in West Virginia, wo Obama die Vorwahl gegen Hillary Clinton mit einem Abstand von 41 Prozentpunkten verloren hatte, ist jetzt ein Sieg für ihn realistisch geworden. Der letzte Demokrat, der in West Virginia gewinnen konnte, war 1996 Bill Clinton gewesen.

Baseball-Liga verschiebt Spielbeginn wegen Obama
Der Wahlkampf in den USA hat nun auch Auswirkungen auf den Sport. Wegen eines 30-minütigen TV-Spots von Obama zur besten Sendezeit verschiebt die US-amerikanische Baseball-Liga ihren regulären Spielbeginn. Obama hat für den 29. Oktober, also eine Woche vor der Wahl am 4. November, Werbezeit bei den großen US-Rundfunkanstalten eingekauft. Der TV-Sender Fox, der die Endrunde der US-Baseball-Profis ausstrahlt, suchte bei der Major League um eine Verschiebung an und siehe da: Der erste Pitcher wird 20 Minuten später als geplant den Baseball werfen.

Selbst wenn der republikanische Konkurrent nachziehen wollte, ist fraglich, ob er das nötige Kleingeld für die Sendezeit zur "Prime Time" um 20 Uhr hätte. Rund eine Million Dollar (740.357 Euro) sind für die halbe Stunde pro Sender fällig. Obama, der über 460 Millionen Dollar Wahlkampfspenden gesammelt hat, leistet sich den teuren Spaß gleich bei drei Sendern: Fox, CBS und NBC strahlen die Wahlkampf-Sendung aus, mit ABC soll noch verhandelt werden. Obama hat sich damit eine gigantische Fernsehpräsenz vor einem Millionenpublikum gesichert, die Amerikaner nennen das "Road Block" (Straßensperre).

Heftige Kritik von den Republikanern
Die Reaktion aus dem Lager McCains, dessen Kampagne unter dem Motto "Country First" (Das Land zuerst) steht, fiel wenig überraschend harsch aus: Obama stelle sich nun sogar über die Lieblingsbeschäftigung der Amerikaner, indem er sich vor das sechste Spiel der Baseball-Endrunde dränge, hieß es vonseiten der Republikaner laut "New York Times". Fox-Sprecher Scott Grogin bot demnach am Mittwoch auch McCain Sendezeit an, wenn er dies wünsche.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sport dem Wahlkampf weichen muss: NBC verschob Anfang September ein Football-Spiel, um sicherzustellen, dass es zu Ende ist, wenn McCain seine Nominierung auf dem Parteitag der Republikaner entgegennimmt, berichtete der "Hollywood Reporter".

Geht die Aktion nach hinten los?
Kritische Stimmen warnen indes, dass der Schuss für Obama nach hinten losgehen könnte. "Es könnte gefährlich sein, es sich mit dem nationalen Hobby anzulegen", schreibt etwa die NYT-Kolumnistin Julie Bosman. Tatsächlich heißt es in gut besuchten US-Foren bereits: "Jetzt wird auch Baseball noch politisch. Als hätten wir noch nicht genug von Obama und McCain gesehen!" Ob es die Baseball-Fans beruhigt, dass die Verschiebung nicht nötig ist, wenn die World Series bereits im fünften Spiel entschieden wird?

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