Alitalia am Ende
Unternehmerbündnis CAI zog Rettungsplan zurück
"Wegen der dramatischen Lage bei Alitalia ist es unmöglich, eine Verhandlung weiter zu verlängern, die bereits zu verschiedenen Konzessionen geführt hat. Weitere Konzessionen würden die Umsetzung des Plans gefährden", hieß es in der Aussendung des CAI. Das Unternehmerbündnis erklärte sich wegen des Scheitern der Verhandlungen enttäuscht, die trotz der schwierigen Phase für den Luftfahrtbereich und für die internationale Wirtschaft zur Gründung einer neuen wettbewerbsfähigen Fluggesellschaft geführt hätten können.
Nur drei Gewerkschaften für den Rettungsplan
Bisher hatten nur drei der neun bei Alitalia vertretenen Gewerkschaften ihre Zustimmung zum Rettungsplan signalisiert. Dem Plan zufolge hätten 3.250 der insgesamt 20.000 Alitalia-Angestellten ihren Arbeitsplatz verloren. Die gesunden Teile der Alitalia hätten mit Italiens privater Fluggesellschaft Air One fusioniert werden sollen.
Kurz vor Ablauf des Ultimatums hatte die einflussreiche Pilotengewerkschaft ANPAC noch einen letzten Versuch unternommen, den Dialog offen zu halten. Sie hatte ein Gegenangebot zu jenem des Unternehmerbündnisses CAI eingereicht und die Investorengruppe zur Überprüfung ihrer Offerte aufgerufen. "Der Beschluss der Investorengruppe, das Angebot zurückzunehmen, ist äußerst dramatisch. Dieses Verhalten ist unbegreiflich, weil es noch Möglichkeiten für eine Lösung gab. Wir wenden uns jetzt an den Sonderkommissar der Alitalia in der Hoffnung, das Unternehmen so lang wie möglich noch am Leben zu halten", sagte ANPAC-Sprecher Fabio Berti. Der Abbruch der Verhandlungen wurde von den Piloten gefeiert. "Lieber bankrott als in den Händen von Banditen", betonte ein Piloten-Sprecher. Über 1.000 der 3.000 Piloten-Stellen der Alitalia wären im Zuge des Rettungsplans von CAI gestrichen worden.
Kurzarbeit für Teile der Belegschaft
Der Sonderverwalter der Alitalia, Augusto Fantozzi, leitete am Donnerstag das Verfahren ein, um Teile der Belegschaft der Fluggesellschaft auf Kurzarbeit umzustellen. Betroffen ist das Personal von 34 Maschinen, die wegen der finanziellen Schwierigkeiten der Alitalia nicht mehr fliegen. Die Kurzarbeit wird in Phasen 831 Piloten, 1.383 Flugbegleiter und 2.072 Mitglieder des Bodenpersonals betreffen.
Der Chef des Gewerkschaftsverbands UIL, Luigi Angeletti, der in den vergangenen Tagen wiederholt seine Bereitschaft signalisiert hatte, den Rettungsplan für die marode Alitalia zu unterzeichnen, bezeichnete den Rückzug des Unternehmerbündnisses CAI als "soziale und gewerkschaftliche Katastrophe". "20.000 Arbeitsplätze gehen verloren, für viele Familien beginnt ein Alptraum", sagte Angeletti.
Silvio Berlusconi zeigte sich bestürzt
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zeigte sich besorgt. "Wir könnten vor einem Abgrund stehen", sagte der Regierungschef. Er machte die Gewerkschaften und die Piloten für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Berlusconi hatte im Frühjahr eine Übernahme der Alitalia durch den französisch-niederländischen Konzern Air France-KLM abgelehnt. Stattdessen wollte er eine Rettung durch heimische Industriekonzerne einfädeln.
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