Wirtschaft stottert

BIP der EU sinkt erstmals seit 1995

Ausland
14.08.2008 14:45
Die Wirtschaft in der EU ist im zweiten Quartal erstmals seit 1995, seit es vergleichbare Daten gibt, geschrumpft. Laut einer Schnellschätzung von Eurostat ist das Bruttoinlandsprodukt der EU um 0,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal gesunken, in den 15 Ländern der Eurozone sogar um 0,2 Prozent. Die EU-Kommission betonte am Donnerstag, die Daten seien "nicht überraschend" gekommen. Die Gefahr einer Rezession sieht die Brüsseler Behörde derzeit allerdings nicht.

Die Zeichen für die Konjunktur seien zwar eher negativ, sagte Amelia Torres, die Sprecherin von Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia, mit Verweis auf die zuletzt auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen Geschäftsklima-Index der Eurozone. Allerdings könnte sich der Rückgang des BIP auch mit dem überraschend hohen Wachstum im ersten Quartal von 0,7 Prozent erklären, sagte sie. Daher müsse das erste Halbjahr insgesamt bewertet werden. "Man sollte sich nicht übertrieben pessimistischen Gefühlen hingeben", warnte Torres. Auf die Frage, ob Europa eine Rezession drohe, antwortete sie mit "eher Nein". "Derzeit wäre es übertrieben, dieses Wort zu verwenden."

Reformen machen Wirtschaft der Eurozone belastbarer
Die auf europäischer Ebene angestoßenen Reformen hätten die Wirtschaft der Eurozone und der Europäischen Union insgesamt belastbarer gemacht. Eurostat wird am 3. September neue, revidierte Zahlen vorlegen, die EU-Kommission veröffentlicht eine Woche später ihre nächste Zwischenprognose. Als Rezession wird allgemein definiert, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.

Letzter Konjunktur-Einbruch 1993
Seit der Gründung der Eurozone 1999 ist die Wirtschaft bisher nur einmal gar nicht gewachsen, konkret im zweiten Quartal 2003, heißt es bei Eurostat. Davor habe es 1993 einen Konjunktur-Einbruch gegeben, die Zahlen sind aber nicht direkt vergleichbar.

Generell ist in allen großen Volkswirtschaften der EU mit Ausnahme Großbritanniens die Wirtschaft geschrumpft: In Deutschland um 0,5 Prozent, in Frankreich und Italien um je 0,3 Prozent. Das britische BIP stieg um 0,2 Prozent zum Vorquartal, das spanische um magere 0,1 Prozent. In den Niederlanden und Schweden stagniert die Konjunktur. Österreich wies gemeinsam mit Portugal unter den "alten" Mitgliedstaaten mit plus 0,4 Prozent das höchste Wachstum auf, allerdings haben etliche Länder keine Daten gemeldet.

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