Karadzic-Helfer

Verhaftung Mladics steht angeblich bevor

Ausland
07.08.2008 18:41
Nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic hat Belgrad nun auch die Fahndung nach dessen früherem Militärchef Ratko Mladic intensiviert. Wie die Tageszeitung "Blic" am Donnerstag berichtete, wollen die Behörden den gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher noch bis Monatsende an das UNO-Tribunal in Den Haag überstellen. Der serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic, der auch für die Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY) zuständig ist, eine Großfahndung jedoch bestritten.

"Es handelt sich um übliche, tägliche Aktionen, in denen die Erkenntnisse, über die wir verfügen, geprüft werden", sagte Ljajic bei einer Pressekonferenz in Belgrad. Dem Minister zufolge ist man den Angeklagten auch nicht näher gekommen, "als dies vor einiger Zeit der Fall gewesen ist". Der serbische Minister bestätigte jedoch, dass der ursprünglich im Juli geplante Besuch von UNO-Chefankläger Serge Brammertz auf die erste September-Hälfte verschoben wurde.

Das Ermittlerteam wurde laut "Blic" aufgefordert, den Sommerurlaub bis auf weiteres zu verschieben. Belgrad geht davon aus, dass die Sommerzeit geeignet sei, die "Haager Geschichte" zu beenden. Das Parlament tage nämlich nicht, weswegen die Möglichkeit für politische Machenschaften der Radikalen, aber auch für Straßenproteste und Krawalle geringer sei, berichtete das Blatt unter Berufung auf regierungsnahe Quellen.

Auch die Öffentlichkeit, die nach der Festnahme von Karadzic einen Schock erlebt habe, sei nun für mögliche weitere Festnahmen bereit. Außer Mladic befindet sich noch der ehemalige Chef der kroatischen Serben Goran Hadzic auf der Flucht.

Ex-General zuversichtlich - Mladic-Neffe glaubt an Selbstmord
Der zivile und der militärische Geheimdienst (BIA und VBA) wüssten sicher, wo sich Mladic versteckt halte, sagte der frühere General Ninoslav Krstic der Zeitung "Press" (Donnerstag): "Ich glaube, dass sie ihn bald verhaften." Die Aufforderung von zwei serbischen Ministern am Vortag, Mladic solle sich freiwillig stellen, sei vermutlich als Vorbereitung der Öffentlichkeit auf einen solchen Schritt zu verstehen, sagte der frühere General weiter. Demgegenüber behauptete der Mladic-Neffe Goran, sein Onkel werde sich niemals stellen. "Ich weiß, wie er denkt und bin sicher, dass er sich umbringen wird, bevor er verhaftet wird", sagte er der Zeitung "Press".

Mladic soll sich in Belgrad aufhalten
Mladic hatte trotz Haager Anklage bis Anfang 2002 in seinem Belgrader Domizil gelebt. Später versteckte er sich sowohl in Westserbien als auch in der bosnischen Republika Srpska, in der Gegend um Han Pijesak, wo sich während des dreijährigen Bosnien-Krieges (1992-1995) sein Hauptstab befunden hatte. Laut jüngsten Erkenntnissen der serbischen Behörden lebte der Haager Angeklagte mindestens bis Anfang 2006 erneut in der serbischen Hauptstadt, wo er weiterhin vermutet wird.

"Ebenso wie Karadzic vor der Festnahme führt Mladic ein normales Leben, tritt aber nicht so offen in der Öffentlichkeit auf. Er verlässt seine Wohnung nur selten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden", zitierte "Blic" eine gut informierte Quelle.

Festnahme Mladics könnte schwierig werden
Man geht dem Blatt zufolge davon aus, dass die Festnahme Mladics schwieriger als jene Karadzics sein dürfte. Dies wird vor allem auf seine engen Kontakte zu früheren Kollegen bei den serbischen Streitkräften zurückgeführt. Andererseits wird vermutet, dass der 66-jährige General bei nicht so guter Gesundheit wie Karadzic ist. In den späten 90er Jahren wurde er in einem Belgrader Militärkrankenhaus wegen Nierensteinen behandelt. Man berichtete auch über Depressionen, denen der bosnisch-serbische Militärchef nach dem Selbstmord seiner Tochter Ana im Frühjahr 1994 verfallen sein soll.

UNO-Chefankläger soll Serbien in die EU hieven
"Blic" sieht in den verstärkten Fahndungsbemühungen auch den Grund, warum der im Juli geplante Besuch des UNO-Chefanklägers Serge Brammertz auf Anfang September verschoben wurde. Brammertz soll die Europäische Union Mitte September über die Zusammenarbeit Belgrads mit dem Haager Gericht informieren. Es wird erwartet, dass eine positive Bewertung durch den UNO-Chefankläger Serbien ermöglicht, ein Übergangsabkommen umzusetzen, das gleichzeitig mit dem Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) im April mit der EU unterzeichnet wurde.
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