"Bitte, tötet mich!"

Autobus-Mörder will auf Anwalt verzichten

Ausland
06.08.2008 14:55
"Bitte, töten Sie mich!" Mit diesen Worten hat der mutmaßliche Autobus-Mörder Vince Weiguang Li aus Kanada vor Gericht um seine Hinrichtung gebeten. Der 40-Jährige - er wird verdächtigt, einen Mann zuerst erstochen, geköpft und anschließend teilweise gegessen zu haben - lehnte eine Verteidigung durch einen Anwalt ab.

Auf die Frage des Richters, ob er einen Anwalt wünsche, soll Li US-Medienberichten zufolge mit einem Kopfschütteln geantwortet haben. Anschließend flüsterte er leise: "Bitte, töten Sie mich." Gerichtsangestellte und anwesende Reporter bestätigten die Worte.

Zu den Vorwürfen äußerte sich der mutmaßliche Täter bislang nicht. Das Gericht in der kanadischen Provinz Manitoba ordnete eine psychiatrische Untersuchung des nicht vorbestraften Mannes an. Der nächste Gerichtstermin wurde für den 8. September anberaumt.

22-Jähriger während Busfahrt erstochen
Der Horror-Mord wurde am Mittwoch auf einem Rastplatz 20 Kilometer von Portage La Prairie verübt. Der aus China stammende Li hatte vor den Augen von 34 entsetzten Passagieren seinen Sitznachbarn, den 22-jährigen Tim McLean, mit Dutzenden Messerstichen getötet und ihm den Kopf abgetrennt. Laut Staatsanwaltschaft stach er bis zu 40 Mal auf sein Opfer ein. 

Polizisten gaben zudem an, sie hätten während der Belagerung des Busses gesehen, wie Li Teile der Leiche aß. Er habe dem Toten ein Ohr abgeschnitten, die umstehenden Polizisten und Zuschauer mit dem Kopf in der Hand verhöhnt und geschrien: "Ich muss für immer in diesem Bus bleiben."

Erst nach drei Stunden habe Li sein Messer und eine Schere aus dem Busfenster geworfen und sich ergeben. Nach seiner Festnahme fanden die Polizisten in seiner Hosentasche ein Plastiksackerl mit Nase, Ohr und Teilen der Lippe seines Opfers.

Bereits früher verhaltensauffällig gewesen
Medienberichten zufolge hatte sich der Täter seit seiner Ankunft in Kanada mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Bekannte hätten schon länger Sorgen über den geistigen Zustand Lis geäußert, er habe aber Hilfe immer abgelehnt, berichtete die Staatsanwaltschaft vor Gericht. Aussagen der Ex-Frau zufolge soll Li bereits einmal wegen seltsamen Verhaltens mehrere Tage in der Psychiatrie gewesen sein.

Mörder ein "netter, höflicher Bursche"
Lis Arbeitgeber beschrieb den mutmaßlichen Täter als "Modellangestellten". Er sei einer seiner zuverlässigsten Zeitungsausträger in Edmonton gewesen, sagte Vincent Augert. "Er war immer pünktlich und sauber gekleidet. Er war ein sehr netter, höflicher Bursche", so Augert. Ihm zufolge habe es keinerlei Anlass für einen Verdacht gegeben.

Trauergemeinde im Internet
McLeans Familie sprach am vergangenen Samstag erstmals öffentlich über das Verbrechen. Ein Onkel, Alex McLean, beschrieb das Opfer als lustigen jungen Mann, der gerne reiste und alle mit seinem Lachen anstecken konnte. Streitigkeiten sei der nur 1,60 Meter große junge Mann aus dem Weg gegangen. Im Internet bildet sich mittlerweile eine große Trauergemeinde. Zehntausende drückten der Familie ihr Beileid aus. Allein auf der Social-Networking-Plattform Facebook schrieben sich 40.000 Mitglieder in einem Trauerthread ein.

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