Daniel „Der Verrückte“ Küblböck hat also seine Biographie veröffentlicht. Nett. Aber richtig witzig ist erst das Hörbuch – von dem verschrobenen androgynen bzw. boygirligen persönlich gesprochen und intoniert.
"Ich singe meine Töne", singt Daniel amAnfang. Ohne Musik, nur mit viel Hall, bevor er dann philosophischloslegt. Er will in keine Schublade gepresst werden, und das gelingtihm ausgesprochen gut. Jedenfalls passt er in keine vorhandene,denn so jemanden wie Daniel hat die Welt noch nicht gesehen. Dabeipolarisiert er wie kaum ein Zweiter, allein die Stimme lässtmanch Zuhörer die schwerhörige Oma beneiden, die einfachdas Hörgerät ausschalten kann.
Philosophische Ergüsse einer Kinderseele 240 Minuten Daniel auf vier CDs ist mehr, als jemand,der kein wirklich echter Fan des "Superstars" ist, auch nur annäherndertragen kann. Dabei ist zumindest das erste Kapitel durchausauch für Nicht-Küblböck-Jünger erstaunlichhörenswert. Daniel geht mit der Unbedarftheit und Unschuldigkeiteines kleinen Kindes an die Welt heran und vermittelt so eineSicht auf die Dinge, die man (Überraschung!) nicht so leichtals das Gelaber eines Verrückten abtun sollte, wie das jagerne gemacht wird.
Die Dampfnudeln, die Küsse, die Wärme Ab dem zweiten Kapitel geht es dann wirklich um dasLeben des Daniel K., zwischen Omas Dampfnudeln, Mutters Sexkapadenund erstem Sex mit beiden Geschlechtern. Und dem Weg zum Superstar.Erstaunlich ist dabei einerseits das, was Daniel erzählt,andererseits die detaillierte Erinnerung an seine Kindheit. Mit4 Jahren wird er kaum schon Tagebuch geschrieben haben. Wievieldavon wohl echte Erinnerung, wie viel gewünschte Erinnerung,und wie viel erfunden ist? Egal. Wer sich ein bisschen reinhörtin die Geschichte, der weiß, warum Daniel ist, wie er ist.Völlig abgedreht, echt anders. Ein 18-Jähriger hat nochnicht genug erlebt, um eine Autobiographie zu schreiben? Reinhören,dann urteilen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.