Verhandlungsfähig?

53 Millionen Steuern hinterzogen

Oberösterreich
16.07.2008 07:39
Er ist seit elf Jahren angeklagt, aber nur 48 Stunden hinter Gittern gesessen und nie vor Gericht gestanden: Nun soll ein fünftes Gutachten klären, ob der Linzer „Marlboro-Banden-Boss“ Richard S. (63) verhandlungsfähig ist, der 800 Millionen Zigaretten produziert und 53 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben soll.

Der frühere Fenster-Fabrikant aus Kirchberg-Thening war von der Welser Staatsanwaltschaft schon im Februar 1997 wegen des Verdachts der Krida, des Betrugs und der Veruntreuung in Millionenhöhe rechtskräftig angeklagt worden. Doch ein Schlaganfall machte den gewichtigen Industriellen laut zweier Gutachten verhandlungsunfähig, bis ihn die Justiz aus den Augen verlor: Richard S. soll als U-Boot unangemeldet bei einer Freundin in Tirol gelebt haben. Und im Salzburger Flachgau eine illegale und lukrative Zigaretten-Fabrik betrieben haben, mit der er angeblich 40 Millionen Euro verdiente. Als die Produktion der Billig-Tschick im Marken-Kleid nach Deutschland ausgeweitet wurde, flog die Schmugglerbande auf. Aber der Boss war nach 48 Stunden schon wieder in Freiheit: haftunfähig!

Ob er auch verhandlungsunfähig ist, streiten sich die Gelehrten: Die Linzer Psychiaterin Dr. Adelheid Kastner attestierte dem Patienten, einem Prozess durchaus folgen zu können. Doch ein Linzer Gerichtsmediziner befand dann das Gegenteil, so dass nun der Linzer Staatsanwalt Dr. Rainer Schopper noch einmal die Gutachterin Kastner zu Wort bittet: Sagt sie zum zweiten Mal „ja“, stehts aber in Summe immer noch 3:2 für den Angeklagten. 

 

Foto: Krone

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