Ein Mann, sein Strohhut und eine Band aus erstklassigen Musikern – Carlos Santana bat in die Wiener Stadthalle, um seine Fans zweieinhalb Stunden lang zu unterhalten. Feine Sache, sollte man erlebt haben, aber irgendwas hat gefehlt...
Im Vergleich zu anderen Konzerten ist ein Auftrittvon Carlos Santana etwas ungewöhnlich: Es fehlt nämlichein Star auf der Bühne, jemand, der die Massen in seinenBann zieht, eine Beziehung zum Publikum aufbaut. Carlos selbst,wegen dem wir alle in die Halle gepilgert sind, ist dieser charismatischeStar nicht. Er steht von Beginn an meist irgendwo auf der Bühne,sein Gesicht halb von einem Strohhut verborgen, und schaut entwederin den Boden oder auf seine Gitarre.
Draht zum Publikum: Fehlanzeige Nicht mal ein "Hello Vienna!" hat er sich abgerungen,keine Begrüßung, einfach nur Musik. So blieb die Stimmungin der Stadthalle eher kühl, sogar in der ersten Reihe vorder Bühne sah man hauptsächlich gelangweilte Gesichter.Jetzt mag man sagen: Carlos Santana singt ja nicht selbst, erspielt nur Gitarre, also kann er auch keine Beziehung zum Publikumaufbauen. Stimmt zwar so nicht, aber gut, sollen die beiden Sängerdoch was für die Stimmung tun. Nur: Die beiden haben einfachkein Charisma, keine Ausstrahlung. Andy Vargas wirkt ein bisschenwie ein gecasteter Boygroup-Guy in seinem abgerissenen Jeans-Outfitund den Muskelschultern, und Tony Lindsay hätte zwar stimmlichdas Zeug dazu, doch mischt ihn der Techniker so in einen musikalischenEinheitsbrei, dass er einfach nicht glänzen kann (so kanner wenigstens Santana himself nicht die Show stehlen).
Apropos Technik Die Technik/Akustik war alles Andere als berauschend,das Meiste ging in einem Brei unter, aus dem nichts herausragte,außer Santanas Gitarre. Vielleicht hätte es schon etwasgebracht, die Boxen anders auszurichten. Die Erwartungshaltungallein an das gigantische Drum- und Percussion-Ensemble war vonBeginn an groß, immerhin stand ein riesiges Schlagzeug,vier Congas und ein ausgiebiges Schlagwerk prominent auf der Bühne.Die Musiker, die die Schießbuden bedienten, sind allesamtauch wirklich gut, nur bekamen sie keine Gelegenheit, ihre Virtuositätzum Leuchten zu bringen, so sehr gingen auch sie im Brei unter.Einzig Schlagzeuger Dennis Chambers durfte sich produzieren, miteinem fast zehnminütigen Solo.
Vorgruppe: Outlandish Als Vorgruppe traten die Jungs von "Outlandish auf.Ihre netten Songs waren leider schwer zu genießen, weilder Sound, zumindest in der etwa zehnten Reihe vor der Bühne,so schlecht war, dass man kaum etwas mitgekriegt hat. Ausstrahlunghaben die Outlander überhaupt keine, und den einzig bekanntenSong, "Aisha", haben sie heruntergenudelt und dadurch erst rechtzerstört, dass sie die Massen zum Mitklatschen bewegt haben.Carlos Santana bat sie während seines Auftrittes zu einemgemeinsamen Song auf die Bühne. Das war dann der Gipfel derAusstrahlungslosigkeit: drei Sänger/Rapper von Outlandish,zwei Sänger aus Santanas Line-Up, alle laufen kreuz und querüber die Bühne, benutzen wechselweise oder gleichzeitigihre Mikros und übertreffen einander an Farblosigkeit. Hattewas von einem Flashmob auf dem Stephansplatz.
Gut gespielt, nicht optimal ausgewählt Ok, die Santana-Show war nicht wirklich überragend,aber die Musik, die die Burschen machten, war schon erstklassig.Nur schade, dass die meisten bekannten Songs einfach nicht dabeiwaren. Außer "Maria, Maria", "Smooth" und "Black Magic Woman"war kaum was dabei, was der Durchschnitts-Fan als Santana-Nummerwiedererkennt. Nicht einmal "Samba Pa Ti" hat er gebracht! Dafürhat er sich nicht lumpen lassen und über zweieinhalb Stundenfast ununterbrochen gespielt. Auf "Zugabe"-Rufe hat er gar nichterst gewartet. Anfangen, spielen, aufhören. Und das allesaus einem Guss. Oder Brei. Wie du willst.
Bewertung Letztlich reicht es für 3 von 10 Strohhüten.Einen Bonus-Hut gibt es noch, weil Santana einfach ein Klassikerist, den man einmal gesehen haben muss.
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