Politkarriere vorbei

Gumpinger bekommt neuen Prozess

Oberösterreich
16.06.2008 19:49
Zurück an den Start: Der Schlepper-Prozess gegen den ehemaligen VP-Landtagsabgeordneten Otto Gumpinger muss zum Großteil neu verhandelt werden. Das entschied gestern das Oberlandesgericht Linz. Allerdings: Wegen Schlepperei ist Gumpinger dennoch bereits rechtskräftig verurteilt. Das Aus für seine Politikerkarriere!

Ungewöhnlich viele Zuhörer im Saal 208 des Oberlandesgerichtes Linz. Vor der Tür: Otto Gumpinger mit Anwalt Wolfgang Denkmair. Dem Politiker, Präsidenten des Familienbundes und Chef der Landlerhilfe steht die Anspannung ins Gesicht gemeißelt.

Zwei Jahre Haft am 12. September
Für Gumpinger geht es zu diesem Zeitpunkt um Gefängnis oder Freispruch. Denn am 12. September endete der Schlepper-Prozess gegen ihn mit zwei Jahren Haft. Für Richterin Xenia Hultsch war erwiesen, dass er als Obmann der Landlerhilfe 27 Moldawiern zur Einreise verholfen hat, obwohl ihm klar gewesen sein musste, dass diese nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren werden. 450 Euro soll er pro Geschlepptem kassiert und 19.308,80 Euro seiner Schützlinge veruntreut haben.

Belastend für Gumpinger war „Kronzeugin“ Tatjana St., die in ihrem eigenen Schlepper-Prozess die Affäre ins Rollen gebracht hatte, aber auch Botschafts- und Ministeriumsmitarbeiter, die Gumpingers Einladungspraxis seit Jahren kritisiert hatten.

„Bin sehr betroffen von den Vorwürfen gegen mich“
„Ich bin sehr betroffen von den Vorwürfen gegen mich und dem Urteil“, beginnt Gumpinger am Montag mit leiser Stimme. Doch dann zieht er einen Joker aus dem Ärmel: Er hatte nach dem Urteil einen Privatdetektiv auf die „Kronzeugin“ angesetzt, der auch Entlastungszeugen ausgeforscht hat.

Das Urteil wegen Schlepperei wurde trotzdem bestätigt. Die Richter gingen davon aus, dass Gumpinger es in Kauf genommen hat, wenn seine Gäste nicht nach Moldawien zurückkehren. Ob er gewerbsmäßig gehandelt hat, muss ein neuer Prozess klären, ebenso die Untreue. Dann wird die Strafe festgesetzt.

Der Schuldspruch wegen Schlepperei genügt, um Gumpingers politische Karriere endgültig zu beenden. VP-Klubobmann Michael Strugl: „So war es ausgemacht. Nur bei einem Freispruch hätte er auf sein Mandat zurückkehren können.“

Foto: Chris Koller

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