Es lebe der Sport!

Wii Fit

Spiele
24.05.2008 18:21
Der Mensch von heute isst in unseren Breitengraden meist zu viel und bewegt sich zu wenig. Was anfangs nur ein paar Kilos an Bauch, Bein und Po sind, kann schnell zu Fettleibigkeit und somit zu Diabetes, Bluthochdruck und anderen Herzleiden führen. Der Speck muss also weg, was im Normalfall am ehesten über eine Umstellung der Ernährung sowie Sport zu bewerkstelligen ist. Zumindest bei Letzterem kann auch Nintendos „Wii Fit“ behilflich sein: Mit dem „Balance Board“ und einer dazugehörigen Software versucht der japanische Publisher, Sport und Spaß auf spielerische Art und Weise zu verknüpfen.

Bevor es jedoch mit dem Abspecken beginnen kann, geht es ans Eingemachte: Das drahtlos mit der Konsole kommunizierende Balance Board, eine Art Waage, die nicht nur Gewicht, sondern auch Druck bzw. Druckverteilung misst, bittet zum Körpertest. Nach Angabe von Körpergröße und Alter wird der eigene Body-Mass-Index berechnet, ein anschließender Balance-Test ermittelt den Körperschwerpunkt. Aus beiden Ergebnissen folgt das persönliche Wii-Fit-Alter. (Ein Tipp des Autors: Es empfiehlt sich, nicht unmittelbar vor der Messung ein großes Schnitzel mit Pommes zu verdrücken, da sich dies nachdrücklich auf das Testergebnis auswirken könnte...)

In diesem Moment größter Verzweiflung – Wahrheit muss manchmal eben auch ein bisschen weh tun – leistet „Wii Fit“ wichtigen psychologischen Beistand: Das eigene Mii mag zwar gerade deutlich dicker geworden sein, aber es besteht noch Hoffnung. Zu diesem Zweck sollen das angestrebte Wunschgewicht sowie der Zeitraum, in welchem dieses erreicht werden soll, vom Spieler festgelegt werden. Traum und Realität klaffen hierbei natürlich auseinander. Vor allzu übereifrigen und ehrgeizigen Zielsetzungen wird daher auch gewarnt. Hat man sich dann noch einen virtuellen Trainer ausgesucht, heißt es, sich seiner Socken zu entledigen und frohen Mutes zur Tat zu schreiten. 

„Wii Fit“ bietet insgesamt 40 Übungen aus den Bereichen „Yoga“, „Muskelübungen“, Aerobic“ und „Balancespiele“, wobei ein Großteil dieser Übungen als Motivationsanreiz erst sukzessive freigespielt werden muss. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen ist dafür jedoch kein bestimmter Erfolg, sondern die auf dem Balance Board verbrachte Zeit ausschlaggebend: Nach jeder Übung bekommt der Spieler Minuten auf seinem Zeitkonto – dargestellt durch das Sparschwein „Schweinchen Fit“ – gutgeschrieben, anfangs etwa alle zehn Minuten kommt so ein neues Spiel hinzu.

So unterschiedlich die einzelnen Übungen auch sein mögen, unter anderem stehen Slalomfahren, Hula-Hoop, Skispringen, Liegestütz, Step-Aerobic, Boxen, Rudern, Taillendreher sowie klassische Yoga-Stellungen wie „Halbmond“, „Baum“ oder „Krokodil-Drehung“ zur Auswahl, das Spielprinzip ähnelt sich in den meisten Fällen: Der Körperschwerpunkt muss durch Gewichtsverlagerung in auf dem Bildschirm gekennzeichnete Bereiche verschoben oder in selbigen, etwa bei Yoga, möglichst ruhig gehalten werden. Eine Ausnahme bilden hier das Jogging, bei dem die in der Hosentasche verstaute oder in der Hand gehaltene Wii-Mote als Schrittzähler fungiert, oder auch das Boxen, bei dem zusätzlich zur Wii-Mote noch das Nunchuck zum Einsatz kommt.

Sehr positiv: Viele Übungen können vor dem „Ernstfall“ mit dem virtuellen Trainer geübt werden. Damit jede der Bewegungen nachvollzogen werden kann, lässt sich auf Knopfdruck die Ansicht ändern. Verständlicherweise ist der Trainer jedoch nicht in der Lage, Fehler in der Ausführung festzustellen oder gar zu korrigieren. Das Handbuch hält hier einen entscheidenden Tipp parat: Bei Schmerzen sollte aufgehört und ein Arzt aufgesucht werden. Sehr wohl weiß der virtuelle Fitness-Coach den Sportelnden jedoch zu motivieren und zu unterstützen. Immer wieder gibt es lobende Anmerkungen, und schließlich winkt am Ende einer Übung mit etwas Glück ja noch eine Eintragung in die Highscore-Liste. Da bis zu acht Profile angelegt werden können, kann man sich also auch wunderbar mit anderen Familienmitgliedern oder Freunden messen. Ansonsten bleibt „Wii Fit“ bis auf wenige Ausnahmen wie das Doppel-Jogging – eine zweite Wii-Mote vorausgesetzt - jedoch ein reines Einzelspieler-Spiel.

So unterhaltsam die Übungen, so mager leider die optische Präsentation des Spiels. Die farblich blasse Darstellung während der Yoga- und Muskelübungen versprüht in etwa den Charme einer Zahnarztpraxis, gibt dem Spieler allerdings auch die Möglichkeit, sich ganz auf sich selbst und das Ziel der Übung zu konzentrieren. Ansprechender und farbenfroher geht es da schon bei den Balancespielen wie Hula-Hoop, Skispringen oder Jogging zur Sache, wenngleich sich Nintendo auch hier wieder recht zweckmäßig gibt und keinesfalls mit Opulenz punkten kann. Zu Gute halten muss man den Machern jedoch, dass das Balance Board erstaunlich gut und präzise auf die Bewegungen des Spielers reagiert 

Fazit: Um es auf den Punkt zu bringen: Wer Sport machen möchte, der braucht dafür kein Balance Board. Viele der „Wii Fit“-Übungen lassen sich auch ohne technische Hilfsmittel in den eigenen vier Wänden absolvieren. Entscheidend ist, ob man den inneren Schweinehund überwinden und sich selbst motivieren kann. „Wii Fit“ bietet hierfür wertvolle Unterstützung an – immer vorausgesetzt, man bringt auch die nötige Energie auf, die Konsole anzuschalten. Ist dieser Schritt getan, vermittelt das Spiel recht schnell den Spaß an der Bewegung und spornt dazu an, weiter zu trainieren und besser zu werden. Aus spielerischer Sicht wären allerdings eine unterhaltsamere Präsentation sowie ein Multiplayer-Modus wünschenswert gewesen. Um eine dauerhafte Motivation zu gewährleisten, wäre es zudem fein, wenn Nintendo künftig zum Spiel passenden Download-Content anbieten würde – beispielsweise neue virtuelle Jogging-Rundkurse, Slalomstrecken oder etwa Step-Aerobic-Stücke.

Plattform: Wii
Publisher: Nintendo
Krone.at-Wertung: 83%


von Sebastian Räuchle

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