"Werkzeug Gottes"

McCain rückt nach Hitler-Sager von Prediger ab

Ausland
23.05.2008 16:25
Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain (im Bild vorne) hat sich von Fernsehprediger John Hagee (im Hintergrund) distanziert, der Hitler als "Werkzeug Gottes" dargestellt hatte. Wie die "New York Times" am Freitag berichtete, nannte McCain die Äußerungen unhaltbar und beleidigend. Am Donnerstag hat McCain seinem möglichen demokratischen Konkurenten Barack Obama vorgeworfen, dass dieser für sein Land nie eine Uniform getragen habe.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Fernsehprediger John Hagee, der McCain im Wahlkampf unterstützt, in den späten 90er-Jahren gesagt hatte, dass Hitler und der Holocaust Teil eines göttlichen Plans gewesen seien, um die Juden aus Europa zu vertreiben und sie nach Palästina zu bringen. Er habe von diesen Äußerungen nichts gewusst und müsse die Wahlkampfunterstützung durch den Prediger deshalb nun ablehnen, sagte McCain.

Die Predigt Hagees war in der vergangenen Woche zunächst von einer Gruppe kritischer Christen im Internet veröffentlicht worden. Auf die selbstgestellte Frage, wie Gott die Juden ins gelobte Land zurückgebracht habe, sagte Hagee in der Predigt: "Die Antwort sind Fischer und Jäger. Ein Jäger ist jemand, der mit einer Waffe kommt und dich zwingt. Hitler war ein Jäger." Der Holocaust sei passiert, weil es Gottes "vordringlichstes Ziel für das jüdische Volk war, es zurück ins Land Israels zu bringen".

McCain distanziert sich auch von anti-muslimischem Prediger
Wie die "New York Times" weiter berichtete, beendete McCain auch die Zusammenarbeit mit einem weiteren christlichen Prediger aus Ohio, der sich anti-muslimisch geäußert hatte. Durch die Zusammenarbeit mit den Predigern hatte McCain seine Sympathiewerte bei den christlich-konservativen Republikanern verbessern wollen.

McCain schimpft über Obama: Nie Uniform getragen
John McCain hebt im Kampf gegen Obama, seinen wahrscheinlichen Gegner aufseiten der Demokratischen Partei, nun seine eigene Erfahrung als Vietnam-Veteran hervor. Er lasse sich in Militärfragen von Obama keine Belehrungen gefallen. Obama habe "es nicht als seine Verantwortung empfunden, für sein Land die Uniform zu tragen", erklärte McCain am Donnerstag nach einem Streit über ein Gesetz zu Stipendien für Militärangehörige.

Nach einem Abschluss an der Marineakademie war McCain 1967 in den Vietnam-Krieg gezogen, wo er nach einem halben Jahr als Bomberpilot abgeschossen wurde und in nordvietnamesische Kriegsgefangenschaft geriet. Erst 1973 kam er wieder frei und konnte zu Frau und Sohn in die USA zurückkehren. Es wird vermutet, dass McCain im Wahlkampf auf diese Erfahrung im Vergleich zu Obama setzen wird.

Demokraten suchen Vize-Präsidenten
Bei den Demokraten läuft unterdessen die Suche weiter, wer an der Seite Obamas als Kandidat für das Amt des US-Vizepräsidenten antreten soll, auch wenn das Rennen um die Kandidatur noch nicht offiziell entschieden ist. Im Gespräch als so genannter Running Mate sind seine bisherige Rivalin um die Präsidentschaftskandidatur, Hillary Clinton, der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, der republikanische Senator und Irakkriegsgegner Chuck Hagel sowie der frühere Senator John Edwards, der sich anfangs ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewarb und sich inzwischen auf die Seite Obamas gestellt hat.

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