Halsbrecherisch

Speed Racer – The Videogame

Spiele
21.05.2008 13:58
Mit "Speed Racer" läuft nach der "Matrix"-Trilogie oder "V wie Vendetta" ein weiterer Film der Wachowski-Brüder in den Kinos. Diesmal geht es allerdings nicht um Auserwählte in virtuellen Welten oder Revolutionsführer im britischen London, sondern um rasante Rennen in einer nicht allzu fernen Zukunft. Das "Blut und Karambolagenspektakel", wie der "Spiegel" einst die dem Film zugrunde liegende Anime-Serie umschrieb, darf zeitgleich zum Filmstart nun auch auf Nintendos Wii erlebt werden.

Futuristische Arcade-Racer gibt es bereits seit geraumer Zeit – stellvertretend für eine ganze Reihe von Games sei etwa die "Wipeout"-Serie genannt. "Speed Racer" verspricht also schon von vorneherein nur mäßig innovativ zu sein. Immerhin haben die Macher dem Spiel drei durchaus interessante Features spendiert, um nicht zur Gänze in der Masse ähnlicher, aber nur bedingt fesselnder Titel unterzugehen.

Da wären zum einen die Bündnisse, die der Spieler vor jedem Rennen mit anderen Fahrern eingehen kann. Hauptvorteil einer solchen Allianz: Man geht sich nicht gegenseitig auf die Nerven – immer vorausgesetzt, das Bündnis wird nicht durch eine ungewollte oder beabsichtigte Kollision mit einem anderen Benzinbruder wieder gebrochen.

Dann nämlich ist, spaßiges Feature Nummer zwei, "Car-Fu"-Action angesagt. Den Kfz-Meistern der Zukunft sei Dank, kann jedes Vehikel durch Herumreißen der quer zu haltenden Wii-Mote und gleichzeitiges Drücken des Steuerkreuzes gefährliche Sprung-Attacken und andere dem Blech des Gegners schadende Angriffe vollführen. Um einen "Boost Bash"-, "Hyper Spin"- oder "Torpedo"-Angriff ausführen zu können, bedarf es allerdings einer gewissen Übung. 

"Speed Racer" bietet zu diesem Zweck zwar ein recht umfangreiches Tutorial, gibt dem Spieler pro Übungseinheit jedoch nur eine Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Ein freies Training, in dem man ungestört und stressfrei an seiner eigenen Technik feilen kann, gibt es also nicht, stattdessen bleiben meist nur wenige Sekunden, um eine Aktion richtig auszuführen. Wer sich diesen Frust ersparen möchte, besorgt sich das nötige Know-How am besten im Tutorial, wechselt dann aber in ein Zeitrennen, wo er nach Lust und Laune üben kann.

Unbedingt zu Gemüte führen sollte man sich auf jeden Fall die Trainingseinheit "Boost". Tut man dies nicht, wird man spätestens nach zwei bis drei Rennen verdutzt aus der Wäsche schauen, weil man zwar selber stets fehlerfrei und über Runden hinweg an der Spitze fährt, auf den letzten Drücker dann allerdings doch überholt wird. Unfaire Ausbalancierung oder doch eigenes Versagen?

Im Fall von "Speed Racer" ausnahmsweise Letzteres. Denn mit der nötigen Portion "Boost", Spaß-Feature Nummer drei, lassen sich selbst ausweglos scheinende Rennen zu den eigenen Gunsten verändern. Durch fehlerfreies Fahren - soll heißen: ohne die Bande zu touchieren – werden bis zu vier Boost-Anzeigen gefüllt, die sich durch Drücken des B-Buttons wieder entladen und für einen gewaltigen Geschwindigkeitsschub sorgen. Gefüllte Boost-Anzeigen eignen sich aber auch vorzüglich, um das durch gegnerische Car-Fu-Attacken in Mitleidenschaft gezogene Fahrzeug zu reparieren.

Wer zuerst über die Ziellinie rast, schaltet schließlich weitere Fahrzeuge und Fahrer frei, die sich in punkto Beschleunigung, Tempo, Handling oder auch Stärke voneinander unterscheiden. Freigespielt werden müssen auch die einzelnen Meisterschaften, die im gleichnamigen Modus zur Verfügung stehen. Die insgesamt drei, in diverse Rennen unterteilten Meisterschaften können wiederum in drei verschiedenen Geschwindigkeitsklassen absolviert werden. Darüber hinaus stehen Einzelrennen, Zeitfahren sowie ein Multiplayer-Modus für zwei Spieler via Splitscreen zur Auswahl.

Etwas mager fällt hingegen das Angebot an Strecken aus. Immer wieder wird der Spieler auf dieselben Pisten geschickt, lediglich Länge oder auch Fahrtrichtung variieren. So können die Kurse zwar "umgekehrt", "spiegelverkehrt", "kurz" oder "lang" befahren werden, es bleibt aber stets derselbe Parcours. Wobei man den Entwicklern zu Gute halten muss, dass in den insgesamt fünf Umgebungen durchaus für Abwechslung gesorgt wird. Trotz der farbenfrohen Präsentation und eines mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad wachsenden Fahrerfelds läuft das Renngeschehen zudem flüssig.

Der Sound der futuristischen Flitzer ist hingegen ein wenig flachbrüstig. Sattes Motorenröhren sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es mehr oder weniger humorvolle Einwürfe der anderen Fahrer zu hören, die sich jedoch sehr bald wiederholen. Bei der Musik setzt man passend zum SciFi-Szenario auf flotte Töne aus der Konserve: Dance, House, Techno und Co. schlackern einem im Geschwindigkeitsrausch um die Ohren. Nicht herausragend spannend, aber immerhin auch nicht nervtötend.

Fazit: "Speed Racer" mag Herstellerangaben zufolge zwar das offizielle Spiel zum gleichnamigen Kinofilm sein, hat mit diesem bis auf die Fahrernamen und die Idee an sich jedoch nur wenig gemein. Filmausschnitte oder gar eine Story gibt es nicht, die virtuellen Fahrer bleiben charakterlos und wirken "blass". Wer also hofft, die Geschehnisse des Films nachspielen zu können, wird enttäuscht. "Speed Racer" bleibt so unterm Strich ein futuristisch angehauchter Arcade-Racer, dessen Umfang zwar knapp bemessen ist, aber durchaus die eine oder andere nette Stunde bescheren kann. Den Spielspaß eines "Mario Kart" erreicht "Speed Racer" jedoch bei Weitem nicht.

Plattform: Wii (getestet), DS
Publisher: Warner Interactive
Krone.at-Wertung: 72%


von Sebastian Räuchle

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