Gentests nötig
Sorgerechtsanhörung für über 450 Sekten-Kinder
Auf der rund 700 Hektar großen Ranch im US-Staat Texas, die wie eine autonome Kleinstadt funktionierte, soll es Fälle von sexuellem Missbrauch und Heiraten zwischen minderjährigen Mädchen und älteren Männern gegeben haben.
Nach der Räumung des Sekten-Geländes nahmen die Behörden 463 Kinder in staatliche Obhut. Es ist der Justiz jedoch bislang nicht gelungen, die Eltern aller Kinder zu ermitteln, die Ergebnisse etlicher Gentests standen noch aus. 168 Mütter und 69 Väter wurden bisher identifiziert. Bei über 100 Kindern ist immer noch unklar, wer ihre Mutter ist. Kinder hätten außerdem teilweise falsche Namens- und Altersangaben gemacht, hieß es. Die Anhörungen sollen sich drei Wochen hinziehen.
Kinder missbraucht, viele Mädchen schwanger
Die Sekte Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints (FLDS) tritt für die Polygamie ein. Sie trennte sich von den Mormonen, nachdem diese die Mehrehe offiziell für unzulässig erklärt hatten. Der Fall begann mit einer Großrazzia der Polizei auf dem Gelände in Eldorado am 3. April. Ausgelöst wurden die Ermittlungen von den Angaben einer 16-Jährigen, sie sei auf dem Anwesen missbraucht und geschwängert worden. Das US-Jugendamt will außerdem erfahren haben, dass einige Frauen in der Sekte bereits mit dreizehn Jahren ihr erstes Kind bekommen haben. Unter den jetzt befreiten Mädchen würden sich fünf Mädchen unter achtzehn Jahren befinden, die gerade schwanger sind.
In der Sekte ist es üblich, junge Mädchen mit älteren Männern „spirituell“ zu verheiraten. Es soll vorgekommen sein, dass Frauen, die bei einem Mann in Ungnade fielen, einfach samt ihren Kindern einem anderen Mann „zugeteilt“ wurden, weshalb es bisher noch nicht gelungen ist, die befreiten Kinder ihren biologischen Eltern zuzuordnen. Die Kinder akzeptierten den neuen Mann ihrer Mutter als neuen Vater.
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