Waffenruhe brüchig

Vier Tuareg-Kämpfer in Nordmali getötet

Ausland
03.05.2008 20:37
Die Armee von Mali hat am Samstag im Norden des Landes vier Tuareg-Rebellen getötet. Die Rebellen hätten zuvor einen Militärkonvoi angegriffen, teilten die Streitkräfte mit. Es war der erste gewaltsame Zwischenfall, seit vor einem Monat eine Waffenruhe vereinbart worden war. Die österreichischen Sahara-Geiseln Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber werden in Mali vermutet.

"Unsere Leute haben zurückgeschlagen", sagte ein Armeeoffizier. Es könnten auch mehr als vier Rebellen getötet worden sein. Über mögliche Opfer unter den Regierungstruppen machte er keine Angaben. Die Angreifer seien vermutlich Aufständische aus Tessalit gewesen.

Waffenruhe seit 3. April
Nach Monaten sporadischer Angriffe der Tuareg-Rebellen brachte die Waffenruhe vom 3. April Entspannung. Die Tuareg wollen Handelsrouten kontrollieren, auf denen u.a. Zigaretten, Kokain, Kleinwaffen und Menschen geschmuggelt werden. Laut dem Armeeoffizier, der nicht namentlich genannt werden wollte, kam es zu den Angriffen am Samstag 50 Kilometer von Tessalit entfernt - in der Wüstengegend Kidal an der Grenze zu Algerien.

Österreichische Geiseln im Grenzgebiet?
Im Grenzgebiet zwischen Algerien und Mali werden auch die beiden österreichischen Sahara-Geiseln Wolfgang Ebner (51) und Andrea Kloiber (43) vermutet. Das Salzburger Paar war am 22. Februar auf einer Wüstentour im unwegsamen Süden Tunesiens nahe der algerischen Grenze entführt worden. Zu der Tat hat sich die Terrororganisation "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" bekannt. Es wird vermutet, dass die Geiselnehmer ihre Opfer zuerst nach Algerien und dann nach Mali verschleppt haben. Seit Mitte März befinden sich einige österreichische Unterhändler unter der Leitung des ehemaligen Botschafters in Paris, Anton Prohaska, in Bamako, die sich um die Freilassung der beiden Halleiner bemühen.

Die größte Rebellengruppe der Tuareg, geführt von Ibrahim Ag Bahanga, hatte diese Woche drei von 33 gefangenen Soldaten freigelassen. Die von Libyen vermittelte Waffenruhe-Vereinbarung sah die Freilassung aller Geiseln in ihrer Gewalt vor. Die Streitkräfte sollten sich im Gegenzug aus der Wüstenstadt Kidal zurückziehen, sie blieb jedoch im Norden von Mali.

Tuareg revoltieren immer wieder
Die Tuareg, Nomaden berberischer Abstammung, verteidigen ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. In Mali revoltierten sie schon in den 60er sowie in den 90er Jahren. Auch im östlichen Nachbarland Niger kam es in den 90er Jahren zu Aufständen. 

Die jeweiligen Hauptstädte mit schwarzafrikanisch dominierten Regierungen sind mehr als 1.000 Kilometer von den Routen der Tuareg entfernt. Im Niger wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 70 Regierungssoldaten bei Tuareg-Angriffen auf die nördlichen Uranfördergebiete getötet. 

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