Streit mit Strache

ORF veröffentlicht Aufnahmen: Keine “Sieg Heil”-Rufe

Österreich
19.03.2010 18:08
In der Causa um die vom ORF bei einer FPÖ-Veranstaltung gefilmten Skinheads hat der freiheitliche Parteichef Heinz-Christian Strache am Freitag neue Vorwürfe vorgebracht. Bei einer Pressekonferenz sprach er von Manipulationen an jenem Band, das der ORF am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgeführt hatte. Mittlerweise hat der Sender das Material auch online gestellt (siehe Infobox).

Den konkreten Beweis dafür, dass einer der Burschen, die das ORF-Team zu einer FPÖ-Veranstaltung in Wiener Neustadt begleitet hatte, "Sieg Heil" gerufen hat, konnte Strache weder anhand des ORF-Materials noch mittels der von ihm vorgeführten Amateuraufnahmen belegen. Letztere habe ein "besorgter Bürger" von dem ORF-Team gedreht und ihm zugespielt, so der Politiker.

Auch einen Beweis für die von ihm behaupteten Manipulationen am bereitgestellten ORF-Material blieb der FPÖ-Chef schuldig. Stattdessen behauptete er, Hinweise aus hohen ORF-Kreisen erhalten zu haben, wonach das Band bearbeitet worden sei.

ORF weist Vorwürfe harsch zurück
Der ORF weist die Vorwürfe, dass das Band manipuliert worden sei, vehement zurück: Kommunikationschef Pius Strobl verwies darauf, dass es "auf die Tausendstelsekunde genaue" Timecodes auf den Bändern gebe und sich Manipulationen auf dem Spezialformat "IMX" auch technisch immer wieder rückgängig machen ließen. "Jede Manipulation würde eine Tonspur brechen, die Bildabfolge brechen, sie hätten Mundbewegungen, die nicht mehr passen."

An die von Strache vorgebrachten Hinweise, die er aus höchster ORF-Ebene erhalten habe, dass an dem Band manipuliert worden sei, glaubt Strobl nicht. Strache müsse die Vorwürfe mittlerweile ja "Schritt für Schritt zurücknehmen": "Zuerst hat ihn angeblich ein Direktor informiert, dann war es ein Vorstand, jetzt sind es 'höchste ORF'-Kreise. Irgendwann wird es ein Mechaniker sein."

Filmmaterial auf ORF-Homepage veröffentlicht
Gleichzeitig veröffentlichte der Sender das Filmmaterial des fraglichen Abends auf seiner Homepage (siehe Infobox). Die von Strache beanstandeten Stellen beginnen ungefähr bei Minute 9:20. Obwohl hier genausowenig "Sieg Heil"-Rufe zu hören sind wie auf dem Amateur-Material, bleibt Strache bei seiner Darstellung, nach der der ORF-Redakteur die Burschen wiederholt dazu aufgefordert habe, den Nazi-Gruß in die Kamera zu sagen, woraufhin der Bursche "sehr laut und deutlich 'Sieg Heil' in die Kamera gesagt" habe, so Strache. 

Eine akustische Verwechslung schließt Strache unterdessen aus. Nach seiner Darstellung hätte außerdem einer der beschuldigten Skinheads vor der Polizei zugegeben, dass er "Sieg Heil" gerufen habe. Offizielle Auskünfte dazu waren von der Staatsanwaltschaft auf Anfrage jedoch wiederholt abgelehnt worden.

Vage blieb Strache auch über den angeblichen Zeitpunkt der von ihm behaupteten Manipulation: Zunächst sprach er bei der Pressekonferenz davon, dass das Band erst am Montag nach Haftandrohung vom ORF herausgegeben worden sei, darauf angesprochen, dass die Sicherstellung laut Polizeiprotokoll schon am Samstagabend gegen 20.30 Uhr erfolgte, meinte Strache, er habe sich möglicherweise im Tag geirrt. Detail am Rande: Wie aus dem Polizei-Protokoll wörtlich hervorgeht, erfolgte die Herausgabe der Kassette "freiwillig".

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