Missbrauchsskandal
Wusste der Papst schon 1977 von den Übergriffen?
Der Vatikan hat unterdessen Klarheit und Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer in katholischen Einrichtungen gefordert. Das geht aus einer Notiz der vatikanischen Tageszeitung "Osservatore Romano" (Samstag) hervor, die sich auf die Missbrauchsfälle in Deutschland und dabei vor allem auf die betroffenen Regensburger Domspatzen bezieht. Der Heilige Stuhl unterstütze die Diözese in deren Bemühungen, im Sinne der Vorgaben der Deutschen Bischofskonferenz "die schmerzliche Frage entschieden und in offener Weise zu untersuchen", heißt es darin.
Hauptziel sei die "Gerechtigkeit für mögliche Opfer". Nach Angaben des kirchlichen Sonderbeauftragten und Trierer Bischofs Stephan Ackermann soll für sie nun eine Hotline eingerichtet werden. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper forderte kirchenintern eine "ernsthafte Reinigung". Es sei gut, dass der Papst null Toleranz verlange, meinte er der römischen Zeitung "La Repubblica" zufolge.
Weiterer Geistlicher suspendiert
Am Freitag waren Details zu den Jahre zurückliegenden Missbrauchsfällen im oberbayerischen Kloster Ettal und bei den Regensburger Domspatzen bekanntgegeben worden. Ähnliche Fälle gab es auch bundesweit in etlichen anderen Bistümern. Das Bistum Hildesheim teilte am Wochenende mit, einen Wolfsburger Pfarrer suspendiert zu haben, weil dieser vor mehr als 30 Jahren einen Jungen missbraucht habe. Das Opfer habe bis vor kurzem aus Scham geschwiegen.
"Wir sind Kirche"-Sprecher Weisner verlangt von den Bischöfen ein sichtbares Zeichen der Reue. "Eine auf einer Pressekonferenz abgelesene Entschuldigung reicht nicht aus." Stattdessen solle die Deutsche Bischofskonferenz etwa eine gut dotierte Stiftung zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch gründen, sagte Weisner.
Politik fordert Runden Tisch
Einen Runden Tisch aller Betroffenen hält dagegen der Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), für dringender denn je. Wenn sich alle Beteiligten darauf verständigten, dann könne auch über Entschädigungen bereits verjährter Fälle geredet werden, sagte Stadler in Berlin.
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" ist der oberste Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf, nach den Fällen in Ettal verärgert über die Aktivitäten des Münchner Erzbistums. Es müsse geklärt werden, "ob die Erzdiözese so mit einer Abtei umgehen kann, wie sie es jetzt tut, beispielsweise die Schließung der Schule anzudrohen, falls der Schulleiter nicht zurücktritt, ohne dass diesem das Geringste vorgeworfen werden kann", sagte Wolf. Ettal liegt im Erzbistum München und Freising, ist als Kloster jedoch autark.
Missbrauch auch an anderen Schulen
Auch außerhalb der katholischen Kirche wurden Missbrauchsfälle bekannt, und zwar an der renommierten Odenwaldschule in Heppenheim (Hessen). Betroffene berichteten, sie seien in der Zeit von 1970 bis 1985 von Lehrern als "sexuelle Dienstleister" für das Wochenende eingeteilt worden. "Wir haben die große Befürchtung, dass es tatsächlich mehr sind als die Namen, die wir bis jetzt kennen", sagte Schulleiterin, Margarita Kaufmann. Am Montag würden Briefe an alle ehemaligen Schüler versandt, die zur fraglichen Zeit an der Schule waren.







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