Telefonspuren

Mord in Dubai von Österreich aus dirigiert?

Ausland
17.02.2010 13:46
Das elfköpfige Killer-Kommando, welches Mitte Jänner den Mord an dem Hamas-Schergen Mahmoud al-Mabhouh durchgeführt haben soll, könnte nach Ansicht der Dubaier Ermittler von Österreich aus dirigiert worden sein. Als Indiz dafür gelten unter anderem Telekommunikationsmittel vermutlich österreichischer Herkunft, die die mutmaßlichen Agenten benützt haben sollen. Die radikal-islamische Hamas vertritt die Theorie, dass der israelische Geheimdienst Mossad hinter dem Attentat steckt. Israel hat die Causa am Mittwoch erstmals offiziell kommentiert.

Vor Ort sollen sich die mutmaßlichen Geheimagenten laut den Aussagen von Polizeichef Dhahi Khalfan (Bild) nicht mit herkömmlichen Mobiltelefonen verständigt haben, sondern mit "Geräten, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht üblich sind". Die britische Zeitung "Guardian" schreibt, dass von den Agenten Hightech-Kommunikationsmittel eingesetzt wurden, die vor Ort die entsprechende Diskretion ermöglichten.

Bei den Ermittlungen dürfte die Dubaier Polizei allerdings auf österreichische Mobiltelefonnummern gestoßen sein, über die die Attentäter auch Gespräche geführt haben sollen. 

Sieben Wertkartenhandys mit T-Mobile-Nummern
Das österreichische Magazin "profil" berichtet von sieben Wertkartenhandys mit österreichischen Telefonnummern, die von dem Killer-Kommando benützt worden sein sollen. Aufgrund der Vorwahl ließen sie sich dem heimischen Provider T-Mobile zuordnen. 

Das Innenministerium bestätigte, dass derzeit die Herkunft der Nummern überprüft werde. Heimische Telefonnummern hatten auch bei den Anschlägen von Bombay (Indien) im November 2008 eine Rolle gespielt. Damals telefonierten einige der Attentäter mit "nicht ortsgebundenen Festnetznummern", die von einem österreichischen Telefonanbieter in Form eines Rufnummernpakets einem ausländischen Provider weiterverkauft wurde. Ob dies auch beim Dubaier Mordkomplott der Fall sein könnte, ist noch nicht bekannt.

Wertkartenhandys können in Österreich unter vollständiger Wahrung der Anonymität gekauft und benützt werden. Das ist allerdings in den meisten Ländern der Welt der Fall. Nur in wenigen EU-Staaten (darunter Deutschland, Frankreich, Ungarn, Slowakei) sowie in einigen Staaten im EU-Ausland (darunter Japan und Australien) ist eine Registrierung samt Ausweis erforderlich. 

"Kommandozentrale" in Österreich?
Zur Vermutung, die Operation könnte von Österreich aus gesteuert werden, kamen die arabischen Ermittler offenbar durch Telefongespräche der mutmaßlichen Attentäter. Es sei wahrscheinlich, dass die Agenten über eine "Kommandozentrale" in Österreich kommuniziert hätten, berichten internationale Zeitungen. In einem Bericht der britischen "Daily Mail" heißt es wiederum, die Verdächtigen hätten ihre Telefongespräche über eine "Kommunikationszentrale" in Österreich verschlüsselt. Polizeichef Dhahi Khalfan sprach bei der Pressekonferenz Großteils arabisch. Etwaige Übersetzungsfehler können nicht ausgeschlossen werden.

Gerüchte und Verschwörungstheorien über Aktivitäten des israelischen Geheimdienstes in Österreich gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder. Eine prominente davon ist, dass Jörg Haider von israelischen Agenten überwacht worden sein soll. Für tatsächliche Aufenthalte von Mossad-Agenten in Wien gibt es sogar die eine oder andere Bestätigung. Nicht zuletzt wegen der Lage als Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa genießt Wien aber generell einen Ruf als Geheimdienst-Spielwiese.

Mord-Mission binnen 24 Stunden erledigt
Mabhouh war am 20. Jänner bei einem Anschlag in einem Hotel in Dubai getötet worden. Nach Angaben seines Bruders wurde der 50-Jährige mit starken Stromstößen gequält und erwürgt. Andere Quellen berichten, er sei mittels Gift getötet worden. Laut israelischen Quellen war der Hamas-Scherge unterwegs, um Waffen für seine Organisation einzukaufen. 

Am Montag hatte die Polizei in Dubai mitgeteilt, dass wegen des Mordes an dem Hamas-Anführer nach elf Verdächtigen, die am Tag des Mordes mit "authentischen europäischen Pässen nach Dubai" eingereist waren, gefahndet werde. Gesucht würden zehn Männer und eine Frau, die als Touristen verkleidet binnen 24 Stunden ihre Operation in einem Dubaier Hotel durchgezogen hätten. Danach sollen sie das Land in europäische Destinationen verlassen haben. 

Britische und irische Pässe waren gefälscht
Speziell die Aussage, dass die Reisedokumente der Attentäter echt gewesen sein sollen, sorgte für Aufsehen. Die Namen in den Pässen von sieben mutmaßlichen Attentätern deckten sich zudem mit den Daten von Staatsbürgern der jeweiligen Länder, die in Israel gemeldet sind bzw. eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzen. Aus Dubai hieß es weiters, die Pässe seien in den Monaten vor dem Mord in Europa und Asien benützt worden.

Zumindest Irland und Großbritannien widerlegten diese Behauptungen am Mittwoch teilweise: Drei der Gesuchten hätten falsche irische Ausweise gehabt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Dublin in einer Reaktion auf die Dubaier Polizei-Pressekonferenz. Ein Abgleich mit der Datenbank des Amtes habe ergeben, dass es weder die Namen noch die Nummern der Pässe gebe. Die britische Regierung gab bekannt, die von sechs der insgesamt elf gesuchten Verdächtigen benutzten britischen Pässe seien gefälscht gewesen. Teils wurden täuschend echte Dokumente verwendet und Fotos ausgetauscht. Mehrere britische Staatsbürger, die ihre Namen auf der Dubaier Fahndungsliste wiederfanden, meldeten sich am Dienstag bei den Behörden. Alle hatten ihre echten Reisepässe bei sich.

Israel kommentiert Mord erstmals
Das israelische Außenministerium hat indes erstmals seit Bekanntwerden des Mordes die Vorwürfe einer Involvierung des Mossad kommentiert. Es gebe "keinen Grund für die Annahme", der israelische Geheimdienst könnte in den Mord an dem Hamas-Führer verwickelt sein, hieß es in einer Stellungnahme von Außenminister Avigdor Lieberman. Ein definitives Dementi gab es aber nicht.

Mabhouh gehörte zu den Gründern der Ezzedin-al-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas. Er war nach eigenen Angaben an mehreren Anschlägen gegen Israel beteiligt und mehrmals in israelischen Gefängnissen inhaftiert.

Kritik an Mossad-Direktor und Netanjahu
Bei den israelischen Bürgern und Medien ist die Meinung über eine Involvierung des Mossad geteilt. Das Attentat auf den Erzfeind heißt man wenig überraschend gut, allerdings wird bekrittelt, dass es bei einer tatsächlichen Beteiligung des Mossad äußerst dilettantisch durchgeführt worden sei. Vor allem die Verwendung von Identitäten israelischer Staatsbürger sorgt für Unmut. Der betroffene Stephen Daniel Hodes sagte dem Rundfunk, er fürchte um sein Leben, wenn er künftig ins Ausland reise. Daher werde er einen Anwalt einschalten, um "Klage gegen die Verantwortlichen" zu erheben.

Der Fall sorgt in Israel auch für Aufsehen, weil während der ersten Amtszeit von Ministerpräsident Netanjahu vor knapp 13 Jahren ein Mossad-Einsatz aufgeflogen war. Zwei israelische Agenten hatten am 25. September 1997 in Amman versucht, den heutigen Chef des Hamas-Politbüros, Khaled Meshaal, zu töten. Die beiden israelischen Agenten wurden festgenommen, Israel musste ein Gegengift liefern, sich entschuldigen und außerdem den langjährigen spirituellen Führer und Gründer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, aus einem israelischen Gefängnis freilassen.

Die Zeitung "Haaretz" forderte am Mittwoch den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan und kritisierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, weil er dessen Amtszeit trotz "Warnhinweisen" verlängert habe. "Eine gelungene Operation? - Das ist nicht sicher!", titelte etwa die Tageszeitung "Yedioth Ahronoth". 

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