Nach Aus für Norm

Packungsgrößen: Kunden-Nepp statt “Vielfalt im Regal”

Österreich
09.02.2010 11:13
Für "mehr Vielfalt im Supermarktregal" hat das Europa-Parlament im Mai 2007 gestimmt und nach zweieinhalb Jahre langem Tauziehen die Freigabe von Verpackungsgrößen für Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs beschlossen. Im April 2009 sind die Vorschriften nun endgültig gefallen. Die Arbeiterkammer hat seither die Preisveränderungen beobachtet. Es zeigt sich: Verändert ein Hersteller die Verpackungsgröße, so wird das Produkt mit ziemlicher Sicherheit teurer.

Am 11. April 2009 fielen EU-weit die Verpackungsvorschriften, mit denen die meisten Staaten seit den Siebzigerjahren Einheitsgrößen für viele Artikel des täglichen Gebrauchs vorgeschrieben hatten. Produzenten dürfen seither zum Beispiel Zahnpasta, Schokolade, Butter, Milch, Mineralwasser und Zucker in beliebig großer und kleiner Verpackung anbieten. Ausgenommen sind Wein, Schaumwein und Spirituosen. Das Aus für die Normen kam auf Druck der Hersteller zustande, die mit unterschiedlichen Verpackungsgrößen einen weiteren Wettberwerbsfaktor einforderten.

Die Arbeiterkammer warnte seit dem EU-Ministerratsbeschluss vom Mai 2007 vor schleichenden Preiserhöhungen bei bestehenden Produkten durch den Wegfall der Verpackungsvorschriften. Die Konsumentenschützer führten darum im vergangenen Jahr genau Buch über die Entwicklung von Preis und Verpackung bei mehr als 900 Produkten. Es zeigt sich: Bis zum Spätherbst 2009 haben nur wenige Hersteller die Verpackungsgrößen ihrer Produkte verändert, die befürchtete Verwirrungswelle blieb also aus. Allerdings: Wenn ein Hersteller sein Produkt neu verpackt, dann geht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Preiserhöhung einher.

Weichspüler in kleinerer Flasche um 109 Prozent teurer
An den Aufzeichnungen der AK lässt sich die "Masche" der Hersteller genau ablesen: Bei 37 der 965 überwachten Produkte wurde nach dem Fall der Vorschriften die Verpackungsgröße geändert. Gleichzeitig gab es unterm Jahr überdurchschnittlich häufige Preisänderungen bei diesen Produkten. Bei rund drei von vier Produkten blieb am Ende ein höherer Grundpreis übrig. In einem Fall blieb der Grundpreis zwar gleich, jedoch wirbt der Hersteller jetzt mit einer Gratis-Menge, obwohl die Gesamtmenge und der Preis unverändert blieben. Die festgestellten Packungsgrößen-Veränderungen waren laut AK vorwiegend im Bereich Waschmittel und Weichspüler angesiedelt. Es gab aber auch Preisveränderungen bei Geschirrspülmittel, eingelegtem Gemüse, Müsli, Kaffee, Pfeffer, Schoko-Pralinen und Milchprodukten.

Im Durchschnitt wurden die veränderten Produkte um sechs Prozent teurer. Es gab aber auch Extremfälle: So kostete ein Weichspüler-Produkt in der 1,5-Liter-Flasche im Frühjahr 1,53 Euro pro Liter, in der neuen 1,25-Liter-Flasche kostet der Liter jetzt aber 3,19 Euro. Das entspricht einer Preiserhöhung von 109 Prozent. Die Erhebungen wurden in Wiener Märkten von Hofer, Spar, Lidl, Zielpunkt, Billa, Merkur, Interspar und Penny durchgeführt.

AK hofft auf Ausbleiben eines Trends
AK-Konsumentenschützerin Manuela Delapina hofft nun, dass die Zahl der durch den Fall der Vorschriften ermöglichten Mogelpackungen überschaubar bleibt. "Nach dem ersten Halbjahr seit der Einführung haben viele Hersteller die gewohnten Verpackungen noch beibehalten. Wir hoffen, dass das für die bessere Übersicht der Konsumenten so bleibt."

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