Neuer Zoff

McCain-Lager kritisiert Obamas Europareise

Ausland
27.07.2008 18:10
Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat seinen demokratischen Rivalen Barack Obama scharf attackiert, weil dieser sich bei seinem Deutschland-Besuch nicht mit US-Soldaten getroffen hat. Dies zeige die mangelnde Erfahrung Obamas, sagte McCains Sprecher Tucker Bounds am Samstag dem Sender Fox News. Der Senator aus Illinois ziehe einen "Haufen unterwürfiger Deutscher" einem Besuch bei verwundeten Truppen vor, sagte Bounds in Anspielung auf Obamas umjubelte Rede vor der Berliner Siegessäule. Auch in einem frisch geschalteten TV-Wahlkampfspot griff das McCain-Lager das Thema auf.

US-Präsidentschaftsanwärter Obama hatte einen für vergangenen Freitag geplanten Abstecher in das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl kurzfristig abgesagt. Nach Angaben eines Sprechers änderte der Senator seine Pläne, weil er den Besuch nicht zu einem Wahlkampftermin machen wollte. Auch das US-Verteidigungsministerium hatte Bedenken angemeldet. In Afghanistan und im Irak hatte Obama sich zuvor mit Truppen getroffen, war dort allerdings Teil einer offiziellen Kongressdelegation. Am Donnerstagabend hatte Obama vor 200.000 Menschen an der Berliner Siegessäule gesprochen. Dabei rief er die Völker der Welt zu einem neuen Geist der Zusammenarbeit auf.

Bei seinem Besuch in London am Samstag hatte Obama Vorwürfe zurückgewiesen, er habe seine Reise nach Berlin, Paris und London zu stark für seinen Wahlkampf instrumentalisiert. Es sei Teil des von ihm angestrebten Jobs eines US-Präsidenten, "effektive Beziehungen mit unseren Verbündeten zu schaffen", sagte Obama nach einer Unterredung mit Premierminister Gordon Brown.

Gutes Klima mit Brown
Bei der letzten Etappe seiner Auslandsreise bezeichnete Obama seine zweistündige Unterredung mit Brown in der Downing Street als "hervorragend". Erneut sprach er sich für die Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan sowie für gleichzeitige stärkere Beiträge der europäischen Verbündeten für die Überwindung des dortigen Konfliktes und den Aufbau des Landes aus.

Der Senator aus Illinois betonte die traditionell besonders engen Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern, sagte er nach einer Frage unter Anspielung auf seine im Vergleich zu London publikumswirksameren Auftritte in Berlin und Paris.

Bummel durch Touristenviertel
Nach dem Gespräch an Browns Amtssitz in der Downing Street bummelten die beiden Politiker durch ein nahe gelegenes Londoner Touristenviertel. Einen öffentlichen Handschlag oder eine gemeinsame Pressekonferenz, wie sie einem Regierungschef zustünden, vermied Premier Brown, um jeden Anschein einer Bevorzugung Obamas gegenüber dessen republikanischem Konkurrenten John McCain zu vermeiden.

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