Die Anklage legt ihm geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit zum Nachteil der Republik Österreich, versuchte Überlieferung an eine ausländische Macht und Bestimmung zum Amtsmissbrauch zur Last. Das ursprünglich im September 2009 gestartete Verfahren wird völlig neu aufgerollt, nachdem der bisherige vorsitzende Richter schwer erkrankt ist. Das Urteil - dem Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft - soll am 18. Jänner fallen.
Wie Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter im von einem Großaufgebot an Uniformierten und Staatsschützern bewachten Großen Schwurgerichtssaal darlegte, sollen am 17. Juli 2008 drei Männer, von denen der Justiz zwei namentlich unbekannt sind, in der Innenstadt versucht haben, sich Mussajews zu bemächtigen und ihn in ein unweit geparktes dunkles Auto zu befördern.
Verteidiger ortet "Bauernopfer"
Sein Mandant sitze "auf bloße Spekulationen hin ein Jahr in U-Haft", wetterte Verteidiger Anton Draskovits. Ildar A. sei "ein Bauernopfer", die Anklagebehörde durchschaue nicht das vom ehemaligen Botschafter Kasachstans in Wien, Rakhat Alijew (Aliyev), inszenierte Komplott.
Der Angeklagte selbst betonte, er habe "aus Gutmütigkeit" einer Bitte von kasachischen Behördenvertretern entsprochen und die aktuellen Anschriften von Alijew und vier weiteren Personen aus dessen Umfeld eruieren lassen. Dass es strafbar war, dafür einen Polizisten zum Recherchieren im Polizeicomputer anzustiften - der Beamte ist dafür bereits rechtskräftig abgeurteilt worden -, will Ildar A. nicht gewusst haben.
583 Telefonate mit mutmaßlichem Entführer
"Ende Juni 2008 ist dann ganz unerwartet ein unbekannter Russe zu mir gekommen", berichtete der Kasache den Geschworenen. Dieser habe sich auf einen Freund in Moskau bezogen und ihn, A., gebeten, ihm 20.000 Euro für den Ankauf eines Autos zu borgen. Er habe ihm das Geld überlassen und daraufhin ganze 583 Mal mit dem Mann telefoniert.
Der Russe war in Wahrheit einer jener Männer, die am 17. Juli 2008 versucht haben sollen, den ehemaligen Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, Alnur Mussajew, zu entführen. Ildar A. soll diese gleichsam dirigiert haben, wie Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter unter anderem mit einer Quittung zu belegen trachtete, der zufolge die Schwester von Ildar A. acht Tage vor der angeblichen Entführung einem der drei Männer 10.000 US-Dollar übergab.
"Verdachtslage" sollte konstruiert werden
Der Russe habe ihn getäuscht, ihn zum Schein ständig angerufen und mit Fragen nach Autofarben gequält, behauptete Ildar A. In Wahrheit habe Alijew diesen Mann "bestellt, um gegen mich eine Verdachtslage zu konstruieren", sagte Ildar A., der kein Spion, sondern ein Geschäftsmann in der Import-Export-Branche sein will. Das Verfahren wird am kommenden Montag fortgesetzt und womöglich auch abgeschlossen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.