Turbulente Sitzung

Kairo: Islamisten dominieren neues Parlament

Ausland
23.01.2012 19:11
In Ägypten ist erstmals ein Mitglied der früher verbotenen Muslimbruderschaft zum Parlamentspräsidenten gewählt worden. "Wir verkünden dem ägyptischen Volk und der ganzen Welt, dass die Revolution weitergeht", sagte Saad al-Katatni am Montag in Kairo bei der konstituierenden Sitzung des ersten frei gewählten Parlaments in der Geschichte des Landes. Der unter dem autoritären Regime eingekerkerte Politiker erhielt 399 von 496 Strimmen.

Rund 70 Prozent der 508 Abgeordneten gehören islamistischen Parteien an, die erst nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak im Februar 2011 gegründet worden waren. Stärkste politische Kraft ist mit 47 Prozent die von der Muslimbruderschaft gegründete Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. 

24 Prozent entfallen auf die radikalen Islamisten der Partei des Lichts. Nur rund zwei Prozent der Abgeordneten sind Frauen. Zehn Abgeordnete gehören der christlichen Minderheit an, die etwa zehn Prozent der mehr als 83 Millionen Ägypter ausmacht. 

Wichtigste Aufgabe des Parlaments ist es nun, ein Komitee zu bilden, das die neue Verfassung ausarbeiten soll.

Turbulente erste Sitzung
Die Abgeordneten stritten sich zunächst über die Form ihrer Vereidigung. Mehrere Volksvertreter wollten den Eid auf die Verfassung nicht mit der vorgeschriebenen Formel ablegen, die sie durch Zusätze ergänzten. Ein Islamist fügte einen Hinweis auf das islamische Recht (Scharia) ein. Ein anderer Abgeordneter schwor auf die "Märtyrer der Revolution des 25. Jänner". Viele Abgeordnete trugen gelbe Schärpen mit der Aufschrift "Keine Militärgerichtsverfahren gegen Zivilisten". Damit protestierten sie dagegen, dass seit der Machtübernahme des Militärs mindestens 12.000 Zivilisten vor Militärgerichte gestellt wurden.

Geleitet wurde die konstituierende Sitzung vom Alterspräsidenten Mahmoud al-Saqa von der liberalen Wafd-Partei. Er rief die Abgeordneten auf, der "Märtyrer der Revolution" zu gedenken, die im vergangenen Jahr während der Massenproteste gegen Mubarak getötet worden waren. Gleichzeitig lobte er die Rolle der Militärführung unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, die nach Mubaraks erzwungenem Rücktritt die Macht übernommen und eine Übergangsregierung eingesetzt hatte.

Protest und Jubel vor dem Parlament
Vor dem Parlamentsgebäude versammelten sich unterdessen Tausende Menschen und forderten ein Ende der Militärherrschaft unter Feldmarschall Tantawi. "Nieder, nieder mit der Militärherrschaft", riefen Demonstranten, sowie "Kein Militär und keine Bruderschaft". Zugleich versammelten sich am gleichen Ort Hunderte Anhänger von Islamisten, die ihre Abgeordneten unter Jubel begleiteten.

Ein großes Aufgebot von Sicherheitskräften sicherte die Straßen rund um das Parlament. Das Parlamentsgebäude liegt in der Nähe des zentralen Tahrir-Platzes in Kairo, wo die Gegner Mubaraks im vergangenen Jahr so lange demonstriert hatten, bis dieser seinen Rücktritt erklärte.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
23.01.2012 19:11
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung