Fukushima-Drama
Japans Regierung befürchtete sogar das Ende Tokios
Für ihren am Dienstag veröffentlichten 400-seitigen Bericht befragte die Untersuchungskommission rund 300 Menschen, die mit dem Unfall und seinen Folgen zu tun hatten. Die Experten erhielten außerdem Zugang zu Daten und Dokumenten im Zusammenhang mit dem Unglück. Laut dem Bericht sagte auch Ex-Premier Kan, dass an Plänen zur Evakuierung großer Teile Japans gearbeitet worden sei. Allein in der rund 220 Kilometer von Fukushima entfernten Hauptstadt Tokio leben etwa neun Millionen Menschen, in der Metropolregion sogar mehr als 35 Millionen.
Experten loben Premier-Entscheidung
In dem Dokument heißt es weiter, unmittelbar nach dem Unglück habe der Fukushima-Betreiber Tepco alle Mitarbeiter aus dem Kraftwerk abziehen wollen. Nur eine ausdrückliche Anweisung des damaligen Regierungschefs Naoto Kan habe dies verhindert. Laut der Kommission die richtige Entscheidung, denn ohne die verbliebenen Mitarbeiter wäre der Meiler den Experten zufolge in einem fortschreitenden Prozess weiter zerstört worden und hätte weitaus größere Schäden angerichtet, als dies ohnehin der Fall war.
Durch das schwere Erdbeben und den anschließenden Tsunami waren am 11. März 2011 ganze Landstriche im Nordosten Japans verwüstet worden. Im Atomkraftwerk Fukushima führte dies zum weltweit schwersten Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986. In einigen Reaktoren des Meilers fielen die Kühlsysteme aus, was Kernschmelzen und weiträumige Verstrahlungen nach sich zog. Dutzende Mitarbeiter blieben danach in dem Kraftwerk, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete rund um den Meiler verlassen.
Erst fünf Prozent des Schutts weggeräumt
Wie die japanische Regierung vorige Woche mitteilte, sind fast ein Jahr nach dem Unglück erst fünf Prozent des Schutts weggeräumt. Das Beben und die darauf folgende Flutwelle hätten demnach allein in den am schwersten betroffenen Regionen fast 23 Millionen Tonnen Schutt zurückgelassen.
Ungeachtet aller Solidaritätsaufrufe stoße die Beseitigung der Trümmer auf Schwierigkeiten. Behörden im ganzen Land weigerten sich, Schutt aus der Katastrophenregion in ihren Deponien aufzunehmen, weil sie eine radioaktive Verstrahlung befürchteten. Eigentlich plant die Regierung, die Tsunami-Trümmer bis März 2014 zu beseitigen. Sollte die Entsorgung jedoch im gegenwärtigen Tempo weitergehen, sei das Ziel "extrem schwer" einzuhalten, warnte Umweltminister Goshi Hosono.
Meeresboden wird mit Betondecke abgedichtet
Wie Hosono weiter berichtete, seien zudem bei Messungen in der Bucht vor Fukushima nach wie vor "relativ hohe Konzentrationen radioaktiver Stoffe im Meeresboden" festgestellt worden. Deshalb soll der Meeresboden mit einer 60 Zentimeter dicken Betonschicht abgedichtet werden. Wie der Betreiber Tepco mitteilte, soll diese mehr als 73.000 Quadratmeter groß sein - was der Fläche von zehn Fußballfeldern entspricht. Damit soll eine weitere Kontaminierung des Ozeans verhindert werden.







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