Keine Kugel gefunden
Arzt: Gadafi starb an Folgen einer Kopfverletzung
Die Hirnblutung habe zu einer Herniation geführt, einer "Einklemmung von Gehirnteilen mit einer anschließenden Lähmung des Atemzentrums". Er verstehe das Interesse an den genauen Umständen des Todes des Ex-Machthabers, doch sei er skeptisch, ob das Geheimnis jemals aufgeklärt werden könne, sagte Traina dem Magazin. Ohne das Geschoß werde auch der offizielle Obduktionsbericht nicht viel mehr sagen können. Dabei geht es um den Beweis oder die Widerlegung des Verdachts, dass Gadafi nach seiner Festnahme vorsätzlich getötet wurde.
Traina fand den Leichnam nach eigenen Angaben in einem besseren Zustand vor als erwartet: "Ich dachte, er sei bestimmt furchtbar zugerichtet mit schweren Hämatomen, Brüchen, Wunden. Ich dachte, er sei totgeschlagen worden. Aber als wir ihn vom Blut gereinigt hatten, sah ich kaum blaue Flecken, auch Rippenbrüche konnte ich keine ertasten." Gadafi habe "das verlebte Gesicht eines 69-Jährigen, aber den Oberkörper eines 40-Jährigen, kaum Falten, flacher Bauch" gehabt.
Todesumstände ungeklärt
Unterstützer des Nationalen Übergangsrats in Libyen hatten Gadafi am 20. Oktober nach einem NATO-Luftangriff auf seine Heimatstadt Sirte gefangen genommen. Danach war er unter bisher ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Nach Angaben des Übergangsrats starb er im Kreuzfeuer zwischen Anhängern und Gegnern. Anderen Berichten zufolge wurde Gadafi Opfer eines Lynchmords. In einem im Internet veröffentlichten Video sagte ein Anhänger des Übergangsrats, er habe Gadafi in den Kopf geschossen.
Gadafi wurde an unbekanntem Ort in der Wüste südlich der Stadt Misrata bestattet. In seiner Heimatstadt Sirte wurden dem "Spiegel" zufolge die Gräber seiner Mutter und seiner Großmutter geschändet und die Überreste der Leichen verschleppt.
Rebellen-Kämpfer geehrt
In der libyschen Stadt Bengasi wurden am Samstag Hunderte Kämpfer der Revolution gegen den gestürzten Machthaber Muammar al-Gadafi gewürdigt. Die Zeremonie wurde in einem Stadion der Stadt abgehalten, in dem Gadafi während seiner Herrschaft öffentlich Oppositionelle hinrichten ließ.
"Wir erinnern uns an mehrere Menschen, die genau hier gehängt wurden", sagte der Religionsführer Scheich Salem Jabar vor den anwesenden Kämpfern im Stadion, wo Anti-Gadafi-Slogans und revolutionäre Lieder gesungen wurden. "Heute haben wir Rache genommen", fügte er hinzu.
Hinrichtung im Staatsfernsehen übertragen
Die Veranstalter erinnerten an die öffentliche Hinrichtung des Oppositionellen Sadok Shuihdi im Jahr 1984 in dem Stadion. Auf einem im Internet zirkulierenden Video ist zu sehen, wie er mit gefesselten Händen und unter Applaus der Anwesenden, darunter zahlreiche Schüler, gehängt wird. Die Hinrichtung war live vom Staatsfernsehen übertragen worden.
Der Aufstand gegen den in der vergangenen Woche getöteten Gadafi hatte Mitte Februar in Bengasi seinen Anfang genommen. Bengasi sei der Funke zur Revolution gewesen und werde auch der Funke für den Beginn des Wiederaufbaus Libyens sein, erklärten die Kämpfer und Zivilisten bei der Zeremonie.







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