"Liebe meinen Sohn"

Vater brach Baby Bein – sechs Monate bedingte Haft

Salzburg
23.01.2012 13:55
Der Fall eines Beinbruchs bei einem viereinhalb Monate alten Baby ist am Montag Thema am Landesgericht Salzburg gewesen: Die Staatsanwaltschaft warf einem im Pinzgau lebenden Deutschen vor, im Dezember 2010 seinem Sohn absichtlich den Oberschenkel gebrochen zu haben. Der Mann beteuert, es sei ein Unfall gewesen, er liebe seinen Sohn. Das Urteil, sechs Monate bedingte Haft wegen "Quälens oder Vernachlässigens unmündiger Personen", ist nicht rechtskräftg.

Vom Vorwurf der absichtlich schweren Körperverletzung wurde der Kindesvater freigesprochen. Staatsanwalt Georg Kasinger untermauerte seine Anklage mit einem Gutachten der Gerichtsmedizin Salzburg. Demnach sei der Knochen durch eine stumpfe Gewalteinwirkung und durch massives Drehen des Oberschenkels gebrochen worden.

Auch Einzelrichter Stefan Schenk glaubte den Ausführungen der Gutachterin Edith Tutsch-Bauer. Seiner Ansicht nach habe sich der Angeklagte damals in einer Stresssituation befunden. Schenk nahm aber an, dass es sich um ein singuläres Ereignis handelte. Bei dem Kind seien keine alten Verletzungen festgestellt worden, und es sei auch zu keinem weiteren Vorfall gekommen. Weder der Staatsanwalt noch Verteidiger Michael Kowarz gaben nach dem Urteil eine Erklärung ab.

"Lukas ist mir abhanden gekommen"
Der bisher unbescholtene Beschuldigte, der mit Lukas und dessen Mutter vor Gericht erschien, schilderte dem Richter sehr ausführlich, was an jenem 8. Dezember passiert war: Seine Lebensgefährtin sei in der Waschküche im Keller gewesen, als er in der Küche gekocht habe. Lukas sei währenddessen im Wohnzimmer auf dem Teppich gelegen und habe "zu meckern" angefangen.

"Ich nahm ihn auf den Arm, und weil gerade Musik im Fernsehen lief, fing ich mit ihm zu tanzen an. Ich legte den Oberkörper vor und zurück. Da stieß ich mit dem Rücken gegen die Kante des Holzkastens, auf dem der Fernseher stand. Ich spürte einen stechenden Schmerz, kam nach vorne - und Lukas ist mir abhanden gekommen."

Keine absichtliche Körperverletzung 
Sein Sohn sei "schräg nach unten gegangen" und habe schon mit seinem Kopf den Boden leicht berührt. Er habe ihn reflexartig an der Mitte des Beins gefasst und heraufgezogen. "Gott sei Dank, sonst wäre noch mehr passiert. Ich liebe meinen Sohn über alles", betonte der Vater. Eine absichtliche Körperverletzung schloss er "komplett aus". Er und seine Lebensgefährtin hätten sich an jenem Abend gewundert, warum das Baby so lange geschrien habe, schilderte der Angeklagte: "Um 23 Uhr bemerkten wir eine leichte Schwellung am Oberschenkel. Wir wussten aber nicht, dass das Bein gebrochen war." Am darauffolgenden Morgen fuhren er und seine Freundin mit Lukas zum Arzt.

Der Verteidiger sagte, es habe sich um einen Unfall gehandelt, und hatte auf einen Freispruch plädiert.

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