Schuldenkrise

krone.at-Leser: “Kein Steuergeld für Griechenland!”

Österreich
30.04.2010 08:21
Bis zu zwei Milliarden Euro könnte Österreich die Rettung des de facto bankrotten EU-Partners Griechenland kosten. Dabei fehlen Finanzminister Josef Pröll bereits jetzt Milliarden, um wenigstens den heimischen Haushalt finanzieren zu können. Dementsprechend erzürnt sind die krone.at-Leser. Mehr als 90 Prozent sprechen sich bei einer Abstimmung gegen den Griechen-Kredit aus. Auch die Postings und eine krone.tv-Straßenumfrage (siehe Storyvideo) lassen an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig.

So klare Abstimmungsergebnisse gibt es selten: Eine Mehrheit von über 90 Prozent spricht sich bei einer krone.at-Umfrage gegen die umstrittene Finanzspritze für die Griechen aus. Leser "chicii" bringt mit seinem kurzen Kommentar die Stimmung auf den Punkt: "Kein Steuergeld für Griechenland!"

Dem Abstimmungsergebnis entsprechend fordert der Großteil der Leser auch in den Kommentaren, die geplanten Milliarden-Hilfen zu verhindern. Viele verstehen nicht, wie Pröll bei einem erwarteten rot-weiß-roten Steuerloch in Höhe von bis zu 4,1 Milliarden Euro auf einmal zwei Milliarden Euro für die Griechen "aus dem Hut zaubern" kann. "Uns Österreichern wird ein Sparpaket aufgezwungen, und den Griechen schenkt die Bundesregierung bis zu zwei Milliarden Euro, die sie nie wieder zurückbekommt", schreibt dazu Leser "treuhand2010".

Kann Griechenland das Geld je zurückzahlen?
Offiziell ist das Geld, das Österreich für Griechenland bereitstellt, ein Kredit. Doch den muss unsere Republik zunächst selbst einmal aufnehmen. Zwar glaubt Pröll, dass er mit der Finanzhilfe sogar noch ein Geschäft macht, denn er erhebt beim Weiterverleihen an die Griechen einen satten Zinsaufschlag. Doch diese Rechnung setzt voraus, dass Athen das Geld auch wirklich zurückzahlen wird, was viele Leser bezweifeln. "Es wird zu einem Fass ohne Boden werden. Selbst wenn 500 Milliarden zur Stützung maroder Staaten hineingepumpt werden, geht der Tanz in einigen Jahren wieder von Neuem los", fürchtet "eidgenosse1291".

Was sagst du: Sollen wir mit unseren Steuergeldern Griechenland vor der Pleite retten? Stimm ab in der Infobox!

Dementsprechend drastisch sind die Vorschläge, die die Leser machen: "Ich würde die Griechen mit ihren Schulden einfach 'absaufen' lassen und aus der EU werfen. Dafür, dass die alle anderen Länder angelogen haben! Das sollte ein Paradebeispiel sein, dass man die EU nicht anlügen sollte", fordert Leser "Antilandena" in seinem Posting.

Sorgen wegen anderer Wackelkandidaten
Sorgen bereiten den Lesern auch die anderen Wackelkandidaten innerhalb der Eurozone. Leser "bleak" bezieht sich auf ein Pröll-Zitat, wonach die Rettungsaktion "eine Belastungsprobe für den Euro" und eine "Bewährungsprobe für Europa" sei: "Und die nächsten Bewährungsproben sind Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Spanien, und dann kommt eh schon Österreich, weil wenn uns jede 'Bewährungsprobe' irgendwelcher EU-Länder zwei Milliarden kostet, stehen wir selber vorm Staatsbankrott."

Doch es gibt auch andere Stimmen, die keine Alternative zu der Rettungsaktion sehen. Leserin "gutepolly" meint: "Auch ich war zornig, als diese Trickserei der Griechen aufflog. Aber bei einem Nichteinschreiten wären die Folgen auch für uns eine Katastrophe. Der Euro wäre nichts mehr wert, bei unseren privaten Kleinkrediten müssen wir mit höheren Zinsen rechnen. Firmen würden wieder keine Kredite ausbezahlt werden, auch wenn es sich nur um Überbrückungskredite handelt. Die Folgen: Firmen müssen schließen und die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch an."

Ist die Rückkehr zum Schilling die bessere Lösung? 
Denjenigen Lesern, die in Folge der Griechenland-Krise gar einen Ausstieg Österreichs aus dem Euro-System empfehlen, hält "wn7539" seine Überlegungen entgegen: "Der Schilling war wegen des geringen Geldvolumens der Gefahr einer Währungsspekulation noch weitaus stärker ausgeliefert. Eine gemeinsame Währung bedingt eine gemeinsame monetäre Politik. Wenn jeder 'sein Süppchen alleine kocht', dann kommen Probleme wie bei Griechenland heraus", so der Leser, der die Ursache für die griechische Schieflage in der Vor-Euro-Zeit vermutet.

Und dann gibt es noch Leser, die glauben, dass die derzeitigen Probleme eh nur aufgebauscht sind und dramatisiert werden, so zum Beispiel "hollyknolly": "Nach den Rohrkrepierern SARS, Vogel- und Schweinegrippe haben wir einen neuen Feind: Griechenland! Staatlich verordnetes 'In-heilloser-Panik-schreiend-mit-erhobenen-Händen-im-Kreis-Laufen'. Jetzt!"

Strache fordert Griechen-Ausschluss - Pröll kontert
Übrigens: Auch die heimischen Politiker haben sich am Donnerstag weiter zur Griechenland-Krise zu Wort gemeldet. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geht davon aus, dass auf Dauer nur die "Entfernung" Griechenlands aus der Eurozone die Finanzen des Landes sanieren und den Euro retten kann. Zunächst will Strache noch die Griechen überreden, von sich aus den Euro aufzugeben und die alte Währung wieder einzuführen. Falls das nicht nützt, müsse aber die EU Griechenland ausschließen, um zu verhindern, dass "die Eurozone zerbröselt", so Strache am Donnerstag in Wien vor Journalisten.

Finanzminister Pröll reagierte auf die Forderung schnell und deutlich. Strache solle nachdenken, ob er die Folgen eines Austritts Griechenland aus der Eurozone überhaupt abschätzen könne. Die Ansagen des FPÖ-Chefs "ziehen vielleicht heute am Stammtisch", es stehe aber das "Friedensprojekt Europa" auf dem Spiel, gab der Minister zu bedenken. "Es ist nicht die Stunde der Populisten, sondern die Stunde derer, die Verantwortung übernehmen und auch über den österreichischen Tellerrand hinausschauen", erklärte Pröll.

Hinweis: Die Zitate der Leser wurden teilweise korrigiert und geglättet.

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