Das VP-Bildungsprogramm sieht zwar weiter ein differenziertes Schulsystem vor, allerdings werden die Schultypen sich ähnlicher werden, so Pröll. Alle Hauptschulen sollen demnach in eine Neue Mittelschule ausgebaut werden. In NMS wie AHS soll der Unterricht in Modulen stattfinden, Begabte sollen gefordert und schwächere Schüler gefördert werden.
"Bildungsvereinbarung" mit Eltern
Das Bildungsprogramm der Volkspartei sieht auch eine Reihe von Verpflichtungen vor. Eltern sollen künftig eine so genannte "Bildungsvereinbarung" mit der Schule unterschreiben. Dadurch soll festgehalten werden, dass für Erziehung und Ausbildung der Kinder auch die Eltern verantwortlich sind, so Pröll. Außerdem soll die Kenntnis der deutschen Sprache Pflicht werden: Wer bei der Sprachstands-Feststellung im Kindergarten Defizite hat, muss verpflichtend an Programmen zur Sprachförderung teilnehmen.
Wer danach noch Probleme hat, muss ein Jahr lang die Vorschule besuchen, so der Plan der ÖVP. In den späteren Schulformen müssen Schüler in allen Fächern, in denen sie Probleme haben, am Nachmittag verpflichtend Förderkurse nutzen. Bewegung zeigt die ÖVP in der Frage des Sitzenbleibens: Künftig sollen sowohl in der Neuen Mittelschule als auch im Gymnasium und danach in der AHS-Oberstufe und in Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) nur noch jene Module wiederholt werden, in denen der Schüler Defizite hat.
Mittlere Reife mit 14 geplant
Mit 14 soll in beiden Schultypen die sogenannte Mittlere Reife gemacht werden können, die Voraussetzung für einen Aufstieg in die AHS und Berufsbildende Höhere Schule ist. Wer diese standardisierte Prüfung nicht besteht, kann danach in eine Polytechnische oder Berufsbildende Mittlere Schule (BMS) gehen.
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, die federführend an der Erstellung des Konzepts beteiligt war, betonte, dass damit - wie vom Koalitionspartner SPÖ gefordert - die Bildungswegentscheidung künftig nicht mehr mit zehn, sondern erst mit 14 Jahren getroffen wird. Karl hatte sich ursprünglich überhaupt für ein "Gymnasium für alle" ausgesprochen. Die "Aufwertung" der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen könne schon mit dem kommenden Schuljahr beginnen, so Pröll, die zusätzlichen Kosten von 130 Millionen im Endausbau will er aus dem Budget bestreiten.
Schmied: "Schritt in die richtige Richtung"
"Schade dass es nicht den großen Wurf gibt, aber es ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung", meinte SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied in einer ersten Reaktion. Auch wenn sie bedauerte, dass es mit dem Festhalten der ÖVP an den Gymnasien vorerst keine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen geben wird, sah sie "sehr positive Elemente" in dem Papier, wie das Bekenntnis zur Neuen Mittelschule (NMS) und den Wegfall der Zehn-Prozent-Grenze für diese, die Konzentration auf die Grundkompetenzen, Sprachförderung, etc.
Befragt, ob man sich mit dem Festhalten der ÖVP an den Gymnasien von der gemeinsamen Schule verabschieden müsse, zeigte sich Schmied überzeugt, dass sich das Erfolgsmodell der NMS durchsetzen kann, das sehe man am Nachfrageverhalten und der Zufriedenheit der Eltern, Schüler und Lehrer.
Lob von der FPÖ, Kritik von Grünen und BZÖ
Lob kam auch von der FPÖ. "Mit der Rettung des Gymnasiums in der Langform und der Sprachförderung für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können, gibt es einige wesentliche Punkte, die auch Gemeinsamkeiten mit langjährigen FPÖ-Forderungen darstellen", so Bildungssprecher Walter Rosenkranz. Eine Mittlere Reife könne auch ein sinnvoller Beitrag zur Aufwertung der Hauptschulen sein.
Kritik übte hingegen der grüne Bildungssprecher Harald Walser. "Die ÖVP ignoriert weiterhin stur die Ergebnisse der Wissenschaft und die Meinung aller seriösen Fachleute und hält an ihrem Retro-Kurs in der Bildungspolitik fest. Nach dem ÖVP-Bildungs-Klau beim Budget kommt jetzt die nächste Reformbremse", stellte er fest. Das ÖVP-Konzept trage die unglückliche Handschrift von Beamten-Gewerkschaftschef Fritz Neugebauer. Die ÖVP solle ihre ideologischen Scheuklappen ablegen und sich der gemeinsamen Schule öffnen, verlangte er.
"Die Umbenennung der Hauptschulen in Neue Mittelschule alleine ist zu wenig und bringt den Schülerinnen und Schülern keine Verbesserungen", meinte auch BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner. Offensichtlich hätten sich innerhalb der ÖVP wieder die Betonierer durchgesetzt, und man habe sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt.
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