193 Fälle gemeldet

Opferanwälte drängen Regierung und Kirche

Österreich
09.06.2010 09:12
Mitglieder der von Kardinal Christoph Schönborn eingerichteten Opferanwaltschaft unter Waltraud Klasnic machen zunehmend Druck auf die Regierung, was die Einrichtung einer staatlichen Stelle zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen betrifft. Zumindest eine Koordinationsstelle solle es geben, forderte "Weißer Ring"-Präsident Udo Jesionek. Auch an die Kirche gibt es noch Forderungen. Insgesamt hat die Kommission bereits 193 Fälle angenommen, nur fünf davon gelten als geklärt bzw. abgeschlossen. Bei zwei Dritteln sind Männer die Opfer.

Nicht alle Mitglieder der achtköpfigen Kommission rund um Klasnic sind sich einig, was die Forderung nach einer staatlichen Stelle zum Umgang mit Missbrauch betrifft, allerdings bedauern die meisten, dass sich die Regierung so gar nicht in die Thematik einmischt. 

Werner Leixnering, Leiter der Abteilung für Jugendpsychiatrie der Landes-Nervenklinik in Linz, drängt dabei besonders auf eine Stelle, die sich Vorfälle etwa in pädagogischen Einrichtungen des Bundes vornehmen sollte. Kurt Scholz, langjähriger Präsident des Wiener Stadtschulrates und Restitutionsbeauftragter Wiens, ist sich sogar sicher, dass es eine solche "über kurz oder lang" geben werde.

Kirche soll finanzielle Mittel bereitstellen
Der Publizist Hubert Feichtlbauer, einst Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche", erhebt noch eine andere Forderung, diesmal an die Kirche selbst: "Ich erwarte von der Bischofskonferenz, dass sie präzisiert, woher die Mittel kommen", meint er in Bezug auf die zugesicherte finanzielle Unterstützung. Bereits jetzt würden weiterführende Therapien gezahlt, wie hoch die Summe ist und vor allem sein wird, kann Klasnic selbst noch nicht sagen. 

19 ausführliche persönliche Gespräche sowie 250 Telefonate hat die Kommissionsvorsitzende bis jetzt selbst geführt, 415 E-Mails beantwortet. 98 Prozent davon betreffen kirchliche Einrichtungen.

Zwei Drittel der Opfer sind Männer
Im Bundesländervergleich führt derzeit Niederösterreich (zu dem allerdings große Teile der Erzdiözese Wien gehören) mit 32 bei der Opferanwaltschaft dokumentierten Fälle die Statistik an, dahinter Wien mit 24 und Oberösterreich mit 23. In Vorarlberg ist bis jetzt nur ein Fall dokumentiert. Von den 193 Fällen betreffen 120 Männer, 65 Frauen. Noch im Juli will die Kommission einen Zwischenbericht mit den konkreten Zahlen vorlegen, Ende des Jahres will man einen "groben Überblick" haben. 

Klasnics Appell: "Betroffene sollen sich sobald als möglich melden." Aus dem Bericht sollen auch Vorschläge an die Kirche resultieren, etwa, was strukturell geändert werden könne, so Feichtlbauer.

Bei Entschädigung "großzügiger als Gerichte"
Ein positives Resümee über die Tätigkeit der Opferanwaltschaft zieht Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes und Kommissions-Mitglied: "Manche sind schon zufrieden mit einem Gespräch und dass sie ernst genommen werden." Nach einer zehnstündigen Phase mit Traumaexperten, so die derzeitige Vorgehensweise, wird entschieden, ob es weiterführende Therapien geben soll oder nicht. Aber auch hinsichtlich der finanziellen Kompensationen hat man sich einiges vorgenommen. Scholz: "Wir wollen großzügiger sein, als es die österreichischen Gerichte waren."

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
09.06.2010 09:12
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung