Das ÖBB-Kontrollgremium unter Vorsitz von Horst Pöchhacker will mit der Bestellung von Kern die Holding stärken. "Wünschenswert" sei es daher, dass der designierte Bahn-Boss auch den Aufsichtsratsvorsitz in der ÖBB-Personenverkehrs AG sowie in der Güterverkehrssparte Rail Cargo Austria (RCA) übernimmt.
Massive Gehaltssteigerung gegenüber Klugar
Dem Vernehmen nach soll Kern etwa 100.000 Euro mehr bekommen als sein Vorgänger Klugar, der in etwa 400.000 Euro verdiente. Überhaupt soll Kern Pöchhacker eine Menge Zugeständnisse abgerungen haben, um den schwierigen Job zu übernehmen. Bei der Bahn warten auf den gebürtigen Wiener nämlich viele Großbaustellen: Neben den teils umstrittenen Investitionsvorhaben von Koralm-, Brenner- und Semmeringtunnel bis zum Wiener Hauptbahnhof muss er sich auch mit politischen heiklen Themen wie dem niedrigen Pensionsantrittsalter und den Pflegegeldrückstellungen auseinandersetzen.
Kern selbst will die ÖBB aus der tagespolitischen Diskussion bringen und das Image der Bahn und deren Mitarbeiter verbessern. "Die ÖBB sind einer der Leitbetriebe der österreichischen Wirtschaft und haben als Konjunkturmotor Bedeutung für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft", meinte er in einer ersten Reaktion. Die Österreicher sollten wieder stolz auf ihre Bahn sein, wünscht er sich.
Bestens vernetzter Manager mit SPÖ-Wurzeln
Kern gilt als bestens vernetzter Manager, der tief in der SPÖ verwurzelt ist. Nach einer Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist begann er seine Karriere 1991 beim SP-Beamtenstaatssekretär und späteren Klubobmann Peter Kostelka und wechselte 1997 zum Verbund, wo er ab Mai 2007 als Vorstand für das internationale Geschäft verantwortlich war. Von 1996 bis 2000 war Kern Mitglied des ORF-Kuratoriums sowie des -Finanzausschusses.
Sein Vertrag beim Verbund läuft noch bis Ende 2011, er legt sein Mandat nun mit 6. Juni zurück. Seine Vorstandsagenden werden aber bereits mit 1. April interimistisch unter seinen Vorstandskollegen aufgeteilt. Kern verdiente bei dem Stromriesen zuletzt knapp 585.700 Euro.
Geteilte Reaktionen auf Bestellung von Kern
Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) sieht mit der Personalentscheidung die Bahn "strukturell und personell für die großen Herausforderungen gut aufgestellt". Die zentralen Aufgaben der neuen Führungsmannschaft seien die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, eine Marktoffensive im Personen- und Güterverkehr sowie die "effiziente und beschäftigungswirksame Umsetzung" des Schienenausbaus.
Wenig erfreut zeigte sich hingegen ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier, denn seiner Meinung nach halten Gewerkschaftschef Wilhelm "Haberzettel und Co. offenkundig weiterhin das Zepter bei den ÖBB in Händen". Die Industriellenvereinigung (IV) streute Kern hingegen Rosen, er habe sich beim Verbund "ein klares Profil erarbeitet, das ihn auf die neuen Herausforderungen zweifellos gut vorbereitet".
Das BZÖ und die FPÖ schossen sich auf die kolportierte Gage von Kern ein - der orange Verkehrssprecher Christoph Hagen wünscht sich Gehaltsabzüge bei schlechtem Wirtschaften, für sein blaues Pendant Harald Vilimsky ist es eine "Provokation der Sonderklasse", dass Kern mehr verdienen soll als Klugar. Die Grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser begrüßt es zwar, dass nun die Bahn-Holding gestärkt wird, kritisiert aber die Kosten, die durch die "vertragliche Parallelaktion" anfallen.
Seiser folgt auf Absatzvorstand Poschalko
Der ÖBB-Aufsichtsrat hat am Dienstag auch ÖBB-Werkstätten-Chef Franz Seiser als Nachfolger für den bisherigen Absatzvorstand Gustav Poschalko bestellt. Poschalko, der sein Vorstandsmandat bei der Bahn Ende März zurücklegt, verbleibt im Aufsichtsrat der ÖBB-Personenverkehrs AG sowie der RCA. Seiser tritt sein amt bereits am 1. April an und will die Bundesbahnen "als den erfolgreichsten und nachhaltigen Mobilitätsdienstleister positionieren".
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