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Missbrauchsopfer wollen staatliche Kommision

29.04.2010, 12:34
Missbrauchsopfer wollen staatliche Kommision (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER
Die Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" hat seit Installierung der Hotline vor rund vier Wochen 260 Anrufer verzeichnet. Das geht aus einem Bericht der Initiative hervor, der am Donnerstag den Parlamentsparteien präsentiert wurde. "Die Betroffenen fühlen sich von der Republik im Stich gelassen. Die meisten fordern, dass es seitens der Regierung eine kirchenunabhängige Untersuchung gibt", erklärte Psychologe Philipp Schwärzler (links im Bild) bei einer Pressekonferenz nach dem Hearing.

Ein Argument für die Einrichtung einer staatlichen Kommission sei, dass nicht selten die Länder Kinder in kirchlichen Heimen untergebracht haben, betonte der Psychologe. Schwärzler wertete für die Plattform- Statistik 170 Fälle aus. Die heute erwachsenen Frauen und Männer berichteten von körperlichen Misshandlungen und sexueller Gewalt in kirchlichen Einrichtungen.

Als besonders schlimm hätten es die Opfer empfunden, dass sie von den Eltern nicht ernst genommen wurden oder dass andere Kirchenvertreter die Sache unter den Teppich kehrten. Täglich melden sich etwa zehn Personen, ihr Durchschnittsalter beträgt 54 Jahre. Der Großteil der genannten Taten wurde in den 60er- und 70er- Jahren begangen. Bei 70 Prozent der Betroffenen handelt es sich um Männer.

Dunkelziffer viel höher

In 72 Prozent der Fälle wurden die Taten von Männern verübt, eine genaue Zahl über die Häufigkeit von Missbrauchshandlungen lässt sich laut Schwärzler aber kaum feststellen, denn in 70 Prozent der Fälle sprechen die betroffenen Personen von "oft", "häufig", "immer wieder" oder etwa "jede Woche zweimal und das während der ganzen vier Jahre". 64 Prozent der Anrufer berichteten von weiteren Opfern. Der Psychologe schließt daraus: "Im Bereich der körperlichen Misshandlungen müssen wir von Tausenden ausgehen, die sich nicht gemeldet haben. Im Bereich der sexuellen Gewalt sicherlich auch von vielen Hundert."

Die meisten Misshandlungen gab es demnach in Wien (25 Prozent),  Oberösterreich (22 Prozent) und Niederösterreich (21 Prozent). Es folgen Tirol (elf Prozent), Salzburg (acht Prozent), die Steiermark (sechs Prozent), Vorarlberg und Kärnten mit jeweils drei Prozent sowie das Burgenland (ein Prozent).

Plattform überreicht Parteien Fragen- Katalog

Die Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" zeigte sich nach dem Hearing im Parlament zufrieden. Die zehn Fragen der Plattform wurden unter dem Titel "Missbrauch und Verbrechen in der Kirche" an die Parteien weitergereicht. Stellung nehmen soll die Politik zu den Themen Verjährung, Aufarbeitung, Beweissicherung, Melde- und Anzeigepflicht, Entschädigung und zu der von Kardinal Christoph Schönborn eingerichteten Opferanwaltschaft unter Waltraud Klasnic.

Der Grünen- Justizsprecher Albert Steinhauser forderte bei der Pressekonferenz nach dem Hearing Zugang zum Archivmaterial der Kirche, finanzielle Unterstützung der unabhängigen Opferhotline sowie die kommissionelle Behandlung von Missbrauchsfällen in staatlichen Heimen.

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