Hahn teile zwar nicht die Initiative der Studierenden, aber "diese Verhaltensmuster gehören zu einer Studentenkarriere". Ob die ÖH zu einem Gespräch bereit ist, ist laut Hahn noch nicht klar. Die Studentenvertretung berate darüber, so der Wissenschaftsminister.
Aufgrund der andauernden Besetzung des Audimax weicht die Universität Wien nun mit Lehrveranstaltungen ins Austria Center Vienna aus, wie eine Sprecherin der Uni Wien am Dienstag bekannt gab. Am Mittwoch und Donnerstag finden die ursprünglich im Audimax geplanten Vorlesungen in dem Kongresszentrum in der Donaustadt statt, für Freitag werde noch nach einer Lösung gesucht.
Für die Uni Wien bedeutet das erhebliche Mehrkosten, nach Angaben der Uni- Sprecherin rund 16.000 Euro pro Tag. Das Rektorat erwarte sich daher, dass es bald zu Gesprächen zwischen den protestierenden Studenten und Vertretern der Bundesregierung komme.
Im Zentrum der Kritik der Besetzer steht nach wie vor Wissenschaftsminister Hahn. Wenn die ÖH mit ihm sprechen wolle, solle sie auf ihn zukommen, hatte er noch am Montag vor dem Sonderministerrat anlässlich des Nationalfeiertags erklärt. Das Wissenschaftsministerium sei ein "offenes Haus".
Die VP- nahe AktionsGemeinschaft (AG) hatte dagegen an Hahn appelliert, "endlich aus seiner Passivität auszubrechen und sich der Probleme der Studierenden anzunehmen". Die Ursachen der Besetzung des Audimax der Uni Wien seien mit Sicherheit kein lokales Problem, so Fraktionssprecher Samir Al- Mobayyed, "auch wenn der Minister dies im Sinne seiner eigenen Verteidigung so kommuniziert".
Auch aus einer anderen Bildungsinstitution kommt Unterstützung: "Viele der Forderungen der Audimax- Besetzer an der Universität Wien sind auch eins zu eins auf die Fachhochschulen übertragbar", so Tobias Haas, Vorsitzender der ÖH- Studierendenvertretung des FH Campus Wien. Zugangsbeschränkungen zu Masterstudien an Universitäten würden etwa de facto einen Ausschluss von FH- Bachelor- Absolventen bedeuten.
Der grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald meinte, dass Wissenschaftsminister Hahn "kein Stein aus der Krone fallen würde, wenn er offen auf die protestierenden Studenten zugeht und ihnen die Hand entgegenstreckt". "Es ist ein ernstzunehmendes Signal, wenn sich landesweit Studierende auf eigene Initiative und basisdemokratisch formieren, um gegen die unhaltbaren Studienbedingungen aufmerksam zu machen. Da kann man nicht vom hohen Ross aus einfach zusehen", so Grünewald.