Auch im Inland

Konto-Zahlenwurst wird bis 2013 EU-weit Pflicht

Österreich
29.07.2010 07:33
Bankkunden in Europa müssen sich bei Überweisungen schon bald auf internationale Kontonummern (IBAN) und Bankleitzahlen (BIC) umstellen. Auch im innerstaatlichen Zahlungsverkehr sollen die alten Formen ab 2013 nicht mehr gelten. Die EU-Kommission will im Herbst einen entsprechenden Vorschlag für ein gesetzliches Ultimatum machen. Verbraucherschützer warnen vor einem Chaos bei der Umstellung, die IBAN-Nummern setzen sich aber aus bereits bestehenden bzw. bekannten Zahlen wie Kontonummer und Bankleitzahl zusammen.

Das europäische Zahlungssystem Sepa ("Single European Payments Area") soll Geldtransfers in ganz Europa schneller und billiger machen. Es hebt zum Beispiel jegliche Auslandsgebühren auf bzw. drückt sie auf Inlandsniveau. Dadurch bringt es vor allem Unternehmern Nutzen, für den Normalverbraucher kann es höchstens indirekt einen Vorteil haben, wenn Banken in der Verwaltung sparen und Gebühren senken können.

Die EU-Kommission versucht bereits seit Jahren, Europas Banken und Kunden zum Umstieg auf Sepa zu bringen, hat dafür aber zunächst auf die freiwillige Umstellung gesetzt. Nur bei Überweisungen ins Ausland ist Sepa heute schon Pflicht. 

Kommission will vollständigen Umstieg bis 2013
Insgesamt werden wegen der parallel existierenden Systeme aber nur 7,5 Prozent aller Zahlungen in Europa nach dem Sepa-Standard durchgeführt. Die meisten europäischen Banken bieten seit 2008 freiwillig Sepa-Überweisungen und seit 2009 Sepa-Lastschriften an. Da aber viele Bankkunden weiter die alten Standards benutzen, gibt es teure Parallelstrukturen. "Viele Nutzer zögern die Umstellung hinaus", so die EU-Kommission. Nun soll es ein verpflichtendes Enddatum für die endgültige Umstellung geben.

Die EU-Verordnung soll laut Entwurf ein Jahr nach Verabschiedung für alle Überweisungen verbindlich werden, das wäre derzeit 2011, und zwei Jahre danach für Lastschriften, also 2013. Dem Vorschlag von EU-Binnenkommissar Michel Barnier müssen die 27 Mitgliedsstaaten und das Europaparlament zustimmen. 

Zahlenwurst aus bekannten Nummern 
Ab dann werden nur noch die internationalen Formate IBAN (Kontonummer) und BIC (Bankleitzahl) gelten. Eine IBAN-Nummer hat auf Mauritius beispielsweise 30 Stellen, in Österreich "nur" 20: Sie besteht aus dem Länderkennzeichen AT für Österreich, einer zweistelligen Prüfziffer, der fünfstelligen österreichischen Bankleitzahl und der elfstelligen Kontonummer. Bis auf die Prüfziffer muss man sich somit keine neuen Nummern merken, mit einer Zahlenwurst hat man aber allemal zu tun.

Für innerstaatliche Überweisungen reicht übrigens allein die IBAN-Nummer aus. Erst für Auslandsüberweisungen wird die internationale Bankleitzahl BIC ("Bank Identifier Code") benötigt. Diese acht oder elfstellige Zahlen/Buchstaben-Kombination besteht aus einem vierstelligen Bankcode, vom Geldinstitut frei wählbar, einem zweistelligen Ländercode, einer zweistelligen SWIFT-Codierung sowie einer optionalen dreistelligen Kennzeichnung ("Branch-Code") der Filiale oder Abteilung. Beispiel: Für die Raiffeisenbank Kitzbühel lautet die internationale Bankleitzahl RZTIAT22263.

Konsumentenschützer kritisieren Info-Defizit
Konsumentenschützer in Deutschland und Österreich sorgen sich darum, ob die Banken ihre Kunden ausreichend informieren. "Die wenigsten Kunden wissen, dass es IBAN und BIC überhaupt gibt", sagt Beate Gelbmann vom Verein für Konsumenteninformation. Als Kunde merke man sich den Zahlencode des IBAN schlecht, der um einiges länger ist als die normale Kontonummer, meint Gelbmann. Michaela Kollmann von der Arbeiterkammer Wien wünscht sich von den Banken und der Nationalbank vor allem "verständliche Informationen ohne allzu viele technische Begriffe".

Die Banken halten es unterschiedlich mit dem Sepa-System: Kunden der heimischen Institute Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank und Erste Bank können ihren IBAN auf Kontoauszügen, der Kontokarte und beim Online Banking einsehen. Für die Kunden sei das Thema jedoch noch nicht transparent, glaubt der Sprecher der Erste Bank: "Wir bekommen dazu immer wieder Anfragen."

Ein "Merkzettel", der wesentliche Informationen zusammenfasst, liegt in den Filialen der Erste Bank und RZB auf. "Wir haben für die Umstellung auch Schulungen für Kunden und Kundenbetreuer abgehalten", heißt es aus der RZB. Außerdem sei in den Bankfoyers ein Informationsvideo gelaufen. "Wir werden unsere Kunden stärker informieren, sobald ein fixes Datum für die endgültige Einführung fest steht", heißt es bei der Bank Austria. "Die Details für die EU-Verordnung sind noch nicht in Stein gemeißelt", glaubt er.

"Privatkunden nicht das Problem"
Bei der Umstellung seien die Privatkunden nicht das Problem, heißt es aus Bankenkreisen. Vielmehr seien Großkunden wie Versicherungen, die viele Zahlungen zu fixen Terminen tätigen, technisch noch nicht in der Lage, vollständig auf IBAN und BIC umzustellen. "Die Konzerne müssen ihre Buchhaltung umstellen, was einen hohen Aufwand bedeutet", sagte ein Sprecher der RZB.

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