Die Sperre der Riesenrutsche am Millstätter Sprungturm gilt auch für die Plattform in 14 Metern Höhe. Bürgermeister Josef Pleikner: "Da oben war nur der Einstiegsbereich in die Rutsche. Und es gibt Tafeln, die auf dieses Sprungverbot hinweisen!"
Tatsache ist aber, dass der Kärntner Jugendliche das ignoriert hatte. Gruppeninspektor Karl Wochen von der Polizeiinspektion Millstatt: "Leider. Da war jugendlicher Leichtsinn mit dabei." Einige Einheimische berichten freilich, dass der Sprung von ganz oben schon seit Jahrzehnten als Mutprobe für die Millstätter Jugend gilt.
Befragungen haben ergeben, dass der in die Tiefe gesprungene Bub erst in der Luft jenen Elfjährigen entdeckte, der zuvor von der 10- Meter- Plattform unter ihm weggesprungen war. Seine Warnrufe kamen aber zu spät. Erst in einigen Tagen werden die Mediziner die Chancen des im künstlichen Koma liegenden Opfers beurteilen und die Frage beantworten können, ob bleibende Schäden zu befürchten sind, nachdem der Elfjährige, der an dem Kärntner See seinen Urlaub verbrachte, knapp 30 Minuten unter Wasser war.
An diesem Nachmittag war vieles verhängnisvoll! Josef Pleikner: "Eine Stunde zuvor hatten Wasserretter, Bundesheer und Taucher dort eine Übung. Als das Unglück geschah, waren alle schon zum Brennsee abgerückt." Badegäste, die das Unglück beobachtet hatten, versuchten zunächst mittels Taucherbrillen den Elfjährigen zu finden - im trüben Wasser des Sees hatten sie jedoch keine Chance. Erst ein Rettungstaucher aus Döbriach, der 29 Minuten nach dem Unglück im Bad eintraf, konnte den Elfjährigen aus einer Tiefe von sieben Metern bergen. Dann wurde der Elfjährige von einem Notarzt reanimiert.
Auf Unverständnis stößt die Tatsache, dass es keinen Bademeister gibt. Albert Kreiner von der Landesregierung: "Es gibt dazu in Kärnten keinen gesetzlichen Zwang. Ja, nicht einmal das Berufsbild gibt es!" Und das in einem Land der Seen.
von Fritz Kimeswenger, "Kärntner Krone"