"Wir hängen am Gängelband der Lufthansa", beklagt Minhard am Mittwoch. "Sie haben eineinhalb Jahre zugeschaut, wie Geld verbrannt wurde und die Eigenkapitalquote runtergerasselt ist." Nun laute die Drohung: Ihr müsst mehr sparen, sonst gibt es kein Geld, so der Betriebsrat. Bei Gagen, Dienstzeiten, Zuschlägen und teuren Pensionsregeln soll es demnach ans Eingemachte gehen.
Anfang voriger Woche hatte die AUA unter ihrem neuen Chef Jaan Albrecht den Arbeitnehmern einen Entwurf für eine Totalreform eines Kollektivvertrags zukommen lassen, der allerdings nur einseitig von der Unternehmensführung und der Wirtschaftskammer ausgearbeitet wurde. Sollten die neuen KV-Verträge nicht unterschrieben werden, droht das Szenario, dass die AUA die alten teuren Verträge in wenigen Wochen einseitig aufkündigt.
Minhard: "Versuch, Leibeigenschaft legal zu machen"
"Wir brauchen nicht zu streiken, wir brauchen nur dieses schwachsinnige Papier nicht zu unterschreiben", gibt sich Minhard kampfbereit. "Ich nenne das nicht Kollektivvertrag, was uns da hingeknallt worden ist", so der Bord-Betriebsratchef. Die Gewerkschaft hält den Arbeitgebern einen Bruch sozialpartnerschaftlicher Abkommen vor. Sie würden Minhard zufolge versuchen, "die Leibeigenschaft legal zu machen". Zwei Verhandlungstermine - Montag und Dienstag - ließen die Gewerkschafter wie angekündigt verstreichen. Wie ernst das alles zu nehmen sei, werde man in nächster Zeit sehen, so der Betriebsrat.
Spätestens am 29. Februar dürfte die Gangart jedenfalls verschärft werden. Zumindest da sind sich AUA-Management und Betriebsrat einig. AUA-Chef Albrecht will bis dahin im Aufsichtsrat über ein Verhandlungsergebnis berichten. Die Gewerkschaft wiederum wartet ab, ob die AUA zu diesem Stichtag (für die Auszahlung automatischer Inflationsabgeltungen für 2011) fällige Gelder überwiesen hat. Fehle auch nur ein Cent, würden Urabstimmungen für Streiks vorbereitet, ließ die Gewerkschaft vorweg wissen. Doch gerade solche automatischen Vorrückungen will der AUA-Vorstand jetzt ja beschneiden.
Gewerkschaft sieht unzählige "Grauslichkeiten"
Seit mehreren Wochen rechnet die AUA für Österreich alle Strukturen neu. Albrecht geht es um Änderungen der ganzen Firma und in allen Beschäftigungsgruppen. Am teuersten kommen bisher die Alt-Verträge der AUA-Piloten (338 der 578 AUA-Piloten fallen darunter), die beispielsweise noch Abfertigungen von bis zu 39 Monatsgehälter und teure Pensionsleistungen enthalten. Da sähe die AUA Potenzial für eine Auflösung von Rücklagen. Auch sollen die AUA-Crews – zuschlagsfrei - viel länger fliegen als bisher. Die Gewerkschaft zählt unzählige "Grauslichkeiten" in dem umstrittenen KV-Entwurf, darunter eine Krisenklausel, die bei Gefahr in Verzug weitere Kürzungen erlaubte.
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