Psychiater erklärt

Mutter hat Horror verdrängt und vergessen

Oberösterreich
30.01.2006 18:22
Hassliebe! Sie prügelten sich, traten einander mit Füßen bis die Mutter Romana Miny (42) ihre Tochter Sandra (21) in Hadersdorf (NÖ) offenbar erschlug - und grausam verstümmelt in der Donau versenkte: „Und dies alles aus ihrem Bewusstsein verdrängte“, glauben die Linzer Psychiater, dass die depressive Patientin ihre Gräueltat nicht verschweigen will, sondern tatsächlich vergessen konnte.

Nicht das erste Mal in der jüngsten Kriminalgeschichte Oberösterreichs: Auch der Mühlviertler Josef Gerhard (67) kann den Ermittlern mit bestem Willen bis heute nicht sagen, wo er den abgetrennten Kopf seiner erschossenen Geliebten Elisabeth Wiener (44) versteckt oder verscharrt hat.

Psychogene Amnesie heißt dieser seelische Selbstschutzmechanismus gegen unerträgliche Schock- und Horrorerlebnisse: „Typisch dafür ist, dass Romana Miny jetzt zwar aufgewühlt davon redet, dass sie eine Tochter hat, aber nicht sagt, dass Sandra tot ist“, diagnostiziert Primar Werner Schöny, der Chef der Linzer Landes-Nervenklinik, ein krankhaft tiefes emotionales und ambivalentes Mutter-Kind-Verhältnis: „Sie will ihre Tochter lieben, aber es kocht ein Hass.“

Gegenseitig traktiert
Weil sie die Familie zerstört hat? Weil sie die Mutter verlassen und zum Vater ziehen wollte? Das tätowierte, gepiercte und kahl geschorene Punk-Mädchen Sandra und das geschiedene Kinder-Mädchen Romana sollen einander seit Jahren gegenseitig traktiert haben. Der einzige geliebte Mann im Leben der zerstrittenen Frauen war der wieder verheiratete Vater und Ex-Gatte, der nun seine Tochter mit einem Job nach Retz locken wollte: Die verbitterte Mutter reagierte eifersüchtig gekränkt, kämpfte wie eine Löwin um ihr Kind. „Auch handgreiflich und mit Fußtritten“, glaubt Sicherheitsdirektor Alois Lißl, dass sich die beiden Kontrahentinnen dabei verletzt haben. Sandra offensichtlich tödlich. 

„Sandra ist auf einer Weltreise...“
„Gewalt in Familien soll nie nach außen dringen“, ist Schönys Erklärung dafür, dass die Tote geköpft, verbrannt und versenkt, dass diese Wahnsinnstat verdrängt wurde: „Sandra ist auf einer Weltreise“, wollte die Mutter alle Sorgen zerstreuen, jede Anzeige verhindern: „Ich hab sie ja selbst zum Bahnhof gebracht“, beteuert sie auch noch den Ärzten gegenüber.

 

 

Foto: Chris Koller

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Oberösterreich
30.01.2006 18:22
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung