Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
krone.at/Videos kronehat.at krone.at/mobil cookingstars.at

Wiens Stadtchef Häupl will für Rot-Grün "alles tun"

16.11.2010, 18:16
Wiens Stadtchef Häupl will für Rot-Grün "alles tun" (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER
Wiens Bürgermeister Michael Häupl regiert ab sofort mit den Grünen. Im Gespräch mit "Krone"- Interviewerin Nadia Weiss erklärt er, warum er sich für die Zusammenarbeit mit Maria Vassilakou entschied und reagiert erstmals auf die umstrittenen Aussagen des türkischen Botschafters.

"Krone": Herr Bürgermeister, nun regiert Rot- Grün in Wien. Wie wird sich das auf Ihre Arbeit auswirken?
Michael Häupl: Es ist ein wichtiges Signal an die Wähler, nicht nur an die Jungen, sondern an alle, die die eingetretenen Pfade verlassen wollen. Die Pallette der politischen Möglichkeiten wurde erweitert. Es gibt nicht nur Rot- Schwarz oder Schwarz- Rot oder Schwarz- Blau.

"Krone": Manche Beobachter befürchten, dass Vize- Bürgermeisterin Maria Vassilakou von einem politischen Schwergewicht Ihres Kalibers regelrecht erdrückt werden könnte?
Häupl: Ich werde alles tun, damit Rot- Grün in Wien erfolgreich sein wird. Wir werden, da es sich um eine bundesweit interessante Alternative zu den bisherigen Regierungsvarianten handelt, ein sehr ordentlicher Partner sein. Aber natürlich will ich versuchen, dass die Sozialdemokratie in Hinkunft in Wien ohne Koalition auskommt.

"Krone": Sie spekulieren nicht auf vorgezogene Wahlen in ein, zwei Jahren, um möglicherweise die Absolute zurückholen zu können?
Häupl: Dieser Gedanke ist Unfug. Ich kann nur jedem davon abraten, jetzt Wahlen vom Zaun zu brechen. Denn wer dies jetzt ohne Anlass macht, wird vom Wähler bestraft werden. Die Leute wollen, dass wir jetzt die Probleme, die es auch in der wunderschönen Stadt Wien gibt, lösen.

"Krone": Wie sehr hat Sie das Wahlergebnis überrascht?
Häupl: Unsere 45 Prozent sind ein tolles Ergebnis, und es war klar, dass es ein knappes Rennen um die absolute Mehrheit wird. Dass wir sie um zwei Mandate verfehlt haben, ist natürlich ärgerlich. Das Ergebnis der FPÖ hat mich überrascht, ist aber im Hinblick auf die tolle Wahlhilfe der Innenministerin zu erklären.

"Krone": Waren die Abschiebungen von Kindern ein Grund gegen eine Koalition mit der ÖVP?
Häupl: Das wäre in der Tat vielen von meinen Wählern schwer zu erklären gewesen. Man soll Dealer und Rechtsbrecher abschieben, aber doch keine Kinder! Aber das alleine war nicht der ausschlaggebende Grund. Ich habe versucht, den Gesamtzustand der ÖVP zu analysieren, und da habe ich sie nicht als verlässlichen Partner für die kommenden fünf Jahre empfunden. Die Grünen sind pragmatischer und verlässlicher als die ÖVP, und das ist nicht nur eine Frage der Ferngesteuertheit vom Bund.

"Krone": Wie hat die Wirtschaftskammer reagiert?
Häupl: Es gab Erklärungsbedarf, aber wir werden unsere Zusammenarbeit in der gleichen Intensität fortsetzen. In Bildungsfragen stehen wir den Positionen der Wirtschaft, insbesondere der Industriellenvereinigung wesentlicher näher als der österreichischen Volkspartei.

"Krone": Maria Vassilakou verantwortet als Stadträtin nun das Ressort Verkehr und Planung. Wie viel Spielraum hat sie, insbesondere nachdem die wichtigsten Projekte fixiert und sogar das Budget bereits beschlossen ist?
Häupl: Sie hat den selben politischen Spielraum wie jeder andere Stadtrat. Sie ist jetzt Teil der Wiener Landesregierung, und jeder von uns hat seine Möglichkeiten, und jeder von uns ist dazu angehalten, seine Aktivitäten zu akkordieren. Das ist auch in Zeiten der Alleinregierung so, dass es nie die Politik eines Einzelnen ist, sondern die einer ganzen Regierung.

"Krone": Was passiert mit Vassilakous Vorgänger Rudolf Schicker?
Häupl: Das werde ich mit meinen Freunden im Wiener SPÖ- Club besprechen, ich werde dies nicht über die Medien mitteilen. Aber ich kenne und schätze Rudi Schicker seit vielen Jahren, und ich möchte, dass wir seine Erfahrung weiterhin nützen.

"Krone": Frau Vassilakou hat angekündigt, dass die Grünen nun von "Fantasten zu Realisten" werden. Wann hat sich bei Ihnen die Pragmatik der Macht durchgesetzt?
Häupl: In den Jugendorganisationen haben wir viel an Idealismus und Phantasie ausleben können. Aber man soll dies nicht einfach so wegwerfen: Wir brauchen genug Phantasie, Idealismus und Neugier für diese Stadt und für unser Land. In einem kleinen Winkel des Herzens muss man auch als Politiker ein bisschen Anarchist sein, weil man ansonsten in dieser Welt der Pragmatik und Geschäftsordnungen untergeht.

"Krone": Im Regierungsprogramm wird eine "Charta des Zusammenlebens" angekündigt. Was kann man sich darunter vorstellen?
Häupl: Es geht in erster Linie darum, schriftlich darzustellen, wie das Zusammenleben in einer Stadt funktioniert. Mit gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme und der klaren Darstellung von Rechten und Pflichten. An gewisse Grundregeln müssen sich schließlich alle halten. Dazu gehört auch eine faire Bildungschance für alle Wienerinnen und Wiener. Die Sprachkenntnisse sind zentrales Thema. Für alle! Schließlich haben rund ein Viertel der Kinder beim Schuleignungstest, der im Alter von 5 Jahren absolviert wird, Probleme mit der deutschen Sprache. Aber jedes vierte Kind davon hat keinen Migrationshintergrund. Wir werden diese Diskussion mit großer Freundlichkeit, aber bestimmt, führen. Politik ist schließlich, zu wissen was man will.

"Krone": Wie beurteilen Sie die Aussagen des türkischen Botschafters Kadri Tezcan?
Häupl: Diese Aussagen haben Vorurteile bedient und sind daher für ein friedliches Zusammenleben nicht sehr dienlich.

Lesezeichen hinzufügen:
Schließen
Lesezeichen Drucken
0
Du hast einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreibe hier dein Storyposting! Du möchtest mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht dir jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings, bitten wir dich, unsere AGB und Netiquette einzuhalten!
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2
Krone Multimedia © 2011 Krone.at | Impressum