Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
krone.at/Videos kronehat.at krone.at/mobil cookingstars.at

"Leichen im Keller" könnten Pröll das Budget vermiesen

31.01.2011, 16:38
Foto: APA/BARBARA GINDL / Video: krone.tv
Das österreichische Budget hat sich im Vorjahr besser entwickelt als geplant. Das Defizit beträgt 4,1 Prozent des BIP und ist damit um 0,6 Prozentpunkte besser als ursprünglich budgetiert. Diese für Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) "erfreulichen" Zahlen könnten allerdings nachträglich getrübt werden - durch das Ergebnis der ÖBB und durch die Schulden der "Bad Bank" Kommunalkredit.

Derzeit läuft nämlich eine Diskussion darüber, ob beispielsweise die jährlichen ÖBB- Zuschüsse auch defizitwirksam berücksichtigt werden müssen. Das würde das Defizit um 0,5 Prozentpunkte und die Verschuldung um sieben Prozent erhöhen. Das berichtete Pröll bei einer Präsentation am Montag. Es laufe derzeit im Hintergrund eine Debatte mit dem europäischen Statistikamt Eurostat.

Die allgemein bessere Schuldenentwicklung für 2010 ist dem Bund zu verdanken (3,2 statt 4,1 Prozent), Länder und Gemeinden haben hingegen schlechter abgeschnitten als veranschlagt (1,0 statt 0,5 Prozent). Die staatliche Gesamtverschuldung ist mit 69,7 Prozent knapp unter 70 Prozent des BIP geblieben.

Erhöhung des Schuldenstandes um zehn Prozent droht

Sollte Eurostat entscheiden, dass die Neuverschuldung der ÖBB und die Schulden der "Bad Bank" Kommunalkredit dem Budget zugerechnet werden, so werde sich der Schuldenstand bis ins Jahr 2014 um zehn Prozent des BIP erhöhen, erklärte die Expertin des Wirtschaftsforschungsinstituts, Margit Schratzenstaller. Mit einberechnet ist hier auch die bereits fixierte Zurechnung der Schulden des Krankenanstalten in die Kalkulation der gesamtstaatlichen Verschuldung.

"Es gibt also Handlungsbedarf", sagte Schratzenstaller. "Was die ÖBB anbelangt, spricht vieles dafür, dass man Infrastruktur- und Tunnelausbauprojekte noch einmal auf den Prüfstand stellt und evaluiert. Und dann gegebenenfalls redimensioniert", so die Expertin.

"Öffentliche Schulden dem Staat zurechnen"

Grundsätzlich halte sie es "für ausgesprochen sinnvoll", dass man jene Schulden, "die letztlich doch im öffentlichen Bereich anfallen", dem Staatssektor zurechnet - "im Sinne der Transparenz".

Der Grund für die Überlegungen von Eurostat, die Schulden für Neuinvestitionen der ÖBB dem Staat zuzurechnen, liegt darin, dass es seit 2007 eine "Zuschussvereinbarung" zwischen Verkehrsministerium und ÖBB gibt, wonach 70 Prozent der Schulden für Neuinvestitionen von der Öffentlichen Hand abgedeckt werden. Entschieden wird über die Zurechnung noch im Frühjahr, die Notifikation erfolgt im März.

Jährliche Neuverschuldung bei 1,5 Milliarden Euro

Mit derzeitigem Stand beträgt die Höhe dieser jährlichen Neuverschuldungen beachtliche 1,5 Milliarden Euro - mit steigender Tendenz. Insgesamt haben sich seit 2007 rund fünf Milliarden Euro angesammelt, die in die Schuldenrechnung einfließen müssten. Das Defizit würde sich im Falle einer Zuordnung zum Staat um jährlich 0,5 Prozentpunkte erhöhen (und auf Dauer wirksam). Ab 2014 könnte sich dieses Problem noch weiter verschärfen. Auf EU- Ebene wird derzeit die statistische Volkswirtschaftsrechnung neu diskutiert. Folge könnte sein, dass die Schulden der gesamten ÖBB (derzeit 20 Milliarden Euro) zur Gänze den Verbindlichkeiten des Republik zugeschlagen werden.

Auch betreffend der Verstaatlichung der Kommunalkredit wird von Eurostat eine Entscheidung über die Zurechnung der Schulden zum Staat noch im Frühjahr erwartet. Die 15 Milliarden Schulden sind allerdings nicht defizitwirksam, wirken sich aber auf den Gesamtschuldenstand aus. Wird die "Bad Bank" zu einem späteren Zeitpunkt abgewickelt, könnte sich daraus eine einmalige Erhöhung des Defizits ergeben, hieß es aus dem Finanzministerium. "Wir haben da aber keine Eile und werden versuchen, das möglichst optimal abzuwickeln." Nach dem derzeitigen Stand ergebe sich eine Unterdeckung von rund zwei Milliarden Euro.

Krankenanstalten- Defizit schlägt mit drei Mrd. Euro zu Buche

Bereits definitiv entschieden ist, dass die bisher ausgelagerten Schulden der Krankenanstalten in die Kalkulation der gesamtstaatlichen Verschuldung miteinbezogen werden müssen. Damit werden sich anders als früher auch die Schulden der Spitäler (die Ländersache sind), in den Berechnungen niederschlagen. Dabei handelt es sich laut Wifo um drei Milliarden Euro.

Lesezeichen hinzufügen:
Schließen
Lesezeichen Drucken
0
Du hast einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreibe hier dein Storyposting! Du möchtest mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht dir jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings, bitten wir dich, unsere AGB und Netiquette einzuhalten!
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2
Krone Multimedia © 2011 Krone.at | Impressum