Angestoßen hat das Rätselraten um Obamas mögliche Nikotinsucht der bekannte US- Fernsehjournalist und Autor Michael Kinsley in einem Gastkommentar für die US- Zeitung „Washington Post“ (siehe Infobox). Zu seinem Unmut habe bisher keiner den 47- jährigen Wahlsieger gefragt, ob er mittlerweile die schlechte Gewohnheit aufgegeben hat. Es herrsche Stillschweigen, beklagt Kinsley - und das in den USA, wo Raucher sonst zu den verfolgten Spezies gehören.
In dem Land, wo Tabakfirmen mächtig sind und zugleich jederzeit mit absurden Millionen- Klagen krebskranker Raucher rechnen müssen, rauchen tatsächlich weitaus weniger Menschen als etwa in Österreich. Laut WHO- Daten von 2008 greifen dort nur rund 20% der Männer und 15% der Frauen täglich zur Zigarette, in Österreich sind es fast 40% der Männer und 35% der Frauen.
Offiziell steht Barack Obama bei seiner Frau Michelle im Wort, wie er während seines Wahlkampfes selbst enthüllte. Um ihr das für die gesamte Familie stressige Präsidentschaftsrennen zu versüßen, hatte er ihr versprochen, im Gegenzug mit dem Qualmen aufzuhören. Aber hat er das auch wirklich getan?
Tatsächlich gibt es kein einziges Foto, das ihn mit Zigarette in der Hand zeigt - Kinsley zufolge weniger ein Zeichen dafür, dass er wirklich nicht mehr raucht, sondern ein Hinweis darauf, dass es die Medien weiterhin überaus gut mit ihm meinen und das Thema schlicht nicht mehr anrühren. Im Juni hatte Obama auf Fragen noch eingeräumt, dass ihm das Aufgeben bisher nicht gelungen sei. Einen Monat davor, so die Kolumne, hatten Ärzte in einer sorgfältig formulierten Erklärung aber mitgeteilt, dass Obama derzeit Nikotinkaugummi benutze - und das angeblich mit Erfolg. Wenn Obama wirklich aufgehört hätte, würde das allein aus Publicity- Gründen irgendjemand sagen, spekuliert Kinsley.
Und nun? Kinsley wäre bereit, ihm zu vergeben, wenn er es nicht geschafft hätte: „Na und, dann ist er halt kein Superman!“ Und er gibt zu bedenken, dass ein verzweifelt nach einer Zigarette hungernder oder wiederholt von Entzugserscheinungen gequälter Präsident vielleicht auch gar nicht so gut für das Land wäre. Obamas eiserne Ruhe sei ein Gewinn fürs Land, schreibt Kinsley. „Wenn er ab und zu eine Zigarette braucht, dann gebt ihm einen Aschenbecher, bietet ihm Feuer an und schaut weg.“ Bringt es Obama mit „Change“ am Ende noch so weit, das Rauchen in den USA wieder salonfähig zu machen?